Ein Öl für fast alles


Eines der bekanntesten Hautpflegemittel der Welt

Wirkstoff Jojobaöl: Worum geht’s?

… wirst DU dich fragen! Welche hervorragenden Eigenschaften stecken hinter diesem Pflanzenöl, lässt es sich doch hervorragend in einem Zug mit Avocadoöl, Mandelöl und Olivenöl nennen?! Doch hinter seinem Einsatz in der hochwertigen Kosmetikindustrie steckt noch viel mehr…

Denn bei dem umgangssprachlich als Jojobaöl bezeichneten Pflanzenöl, welches besonders rasch und tief in die oberen Hautschichten eindringt, handelt es sich – chemisch betrachtet – um ein flüssiges Wachs. Es wird aus den etwa 1 cm großen – die Bezeichnung winzig wäre wohl treffender – braunen Samen  eines immergrünen Strauches gewonnen. Dieser wird etwa drei Meter hoch und wächst vornehmlich in der amerikanischen Sonora-Wüste, genauer in den Bundesstaaten Kalifornien und Arizona. In eben jenen winzigen Samen sind bist zu 50 % des kostbaren, goldgelben Öls enthalten.

Möglicherweise bist Du jetzt ein wenig verwirrt, weil nun doch wieder vom „goldgelben“ Öl die Rede ist und nicht vom Wachs. Chemisch gesehen ist Jojoba aber tatsächlich ein Wachs. Da dies bei Raumtemperatur allerdings flüssig ist und ebenfalls diese schmierige, ölige Konsistenz aufweist, könnte man meinen, dass Wachs gleichbedeutend mit dem Wort Öl verwendet werden kann. Dies ist aus chemischer Sich jedoch völlig falsch. Jojoba besteht zu nahezu 100% aus flüssigen, langkettigen Wachsestern. Der Unterschied zum Öl lässt sich dadurch erklären, dass die langkettigen Fettsäuren, die ebenso in den Pflanzenölen enthalten sind, im Jojoba nicht mit Glycerol verbunden sind. Glycerol ist ein dreiwertiger Alkohol. Daher können in pflanzlichen Ölen bis zu drei Fettsäuren mit diesem mehrwertigen Alkohol verbunden sein. Im Jojoba sind nur einwertige Alkohole enthalten. Daher ist nur eine Fettsäure mit diesem einwertigen Alkohol verbunden. Der Unterschied zwischen Wachs und Öl liegt also vor allem an der Wertigkeit des Alkohols!

Kurz:  Wachs = 1 Fettsäure + einwertiger Alkohol

Öl = bis zu 3 Fettsäure + mehrwertiger Alkohol (in der Regel: Glycerol)

Wie wirkt Jojobaöl?

Diese langkettigen Wachse, die aus bis zu 44 C-Atomen bestehen, sind folglich sehr lipophil. Sie lassen sich also hervorragend mit öligen bzw. nicht wässrigen Komponenten mischen. Außerdem sind sie den langkettigen Verbindungen ähnlich, aus denen der menschliche Hauttalg besteht. Daher bewirken diese Wachse, dass sich Jojoba ausgezeichnet mit den menschlichen, körpereigenen Wachsen mischt! Dies ermöglicht die Bildung eines zarten, nicht versiegelnden Lipidfilms. Er bindet zwar die Feuchtigkeit der Haut, versiegelt diese jedoch in keinem Fall!

Natürlich nicht! Denn kosmetisch eingesetzte Pflanzeninhaltsstoffe zeichnen sich ja gerade durch ihre vielseitigen Eigenschaften aus! Daher müssen ja auch noch andere Komponenten zur angenehmen Wirkung nach Anwendung eben jener Stoffe beitragen. Im Jojobaöl finden wir außer den oben genannten Wachsen außerdem Tocopherole und freie Sterole. Tocopherole sind Vitamin E-Verbindungen, die ebenfalls sehr lipohphil sind. Daher lassen sie sich ebenso wie die Sterole hervorragend mit unseren Wachsverbindungen mischen und können nebeneinander im Öl des Jojobas vorliegen. Diese Vitamin E-Verbindungen zeichnen sich durch antioxidative Eigenschaften aus. Es wirkt folglich als Radikalfänger, fängt also reaktive Verbindungen ab und hindert sie an der Reaktion mit anderen Verbindungen. Tocopherole machen also sehr reaktive Verbindungen unschädlich.

Freie Sterole sind Verbindungen, die den selben Grundkörper wie die körpereigenen Hormone besitzen. Jedoch sind sie chemisch verändert, so dass sie sich deutlich von den menschlichen Hormonen unterscheiden und KEINEN EINFLUSS auf den Hormonhaushalt der Zweibeiner haben. Ihnen wird nachgesagt, dass sie die Resorption, also die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm hemmen. Da jedoch der größte Anteil des Gesamtcholesterols im Körper selbst (Leber) gebildet wird, dürften die Sterole nur einen geringen Einfluss auf den Gesamtcholesterolspiegel haben.

Und wozu kann man Jojobaöl nun benutzen?

    1. Feuchtigkeitsspender
      Wie oben schon erwähnt, sind die Wachse des Jojobas in der Lage, sich ausgezeichnet mit den körpereigenen Wachsen des Talges zu mischen. Durch diese Fähigkeit, sich innerhalb der Hornhaut auszubreiten und diese von innen zu „erweichen“, wird deren Elastizität erhöht. Durch eben jene Struktur, welche sich chemisch deutlich von der der Öle unterscheidet, werden diese Verbindungen nur sehr langsam durch hauteigene Enzyme, so genannte Lipasen, abgebaut.  Daher wird die Hornschicht langanhaltend und zuverlässig vor starken Wasserverlusten geschützt. Die Feuchtigkeit wird also in den obersten Hautschichten gehalten, so dass Jojoba unsere Haut geschmeidig hält. Es wird also sehr von Menschen mit trockener und reifer Haut geschätzt.
    2. Antimikrobielle Wirkung
      Da Jojobaöl von einer Reihe von Mikroorganismen, die unsere Haut besiedeln, nicht verstoffwechselt werden kann, wird eben jenen kleinen Biestern der Garaus gemacht. Es wird ihnen durch den Einsatz des Jojobaöls die Lebensgrundlage entzogen und so ist ein Überleben auf unserer zarten Haut nur schwer möglich. Ebenso trifft dies auf ein bekanntes Bakterium namens Propionibacterius acnes zu, welches der Übeltäter für die entzündliche Veränderung von verstopften Follikelausgängen ist.  Er ist maßgeblich daran beteiligt, wenn aus herkömmlichen Mitessern Komedone werden, die im Nu zur Akne führen können. Daher eignet sich Jojobaöl als erstklassige Fettkomponente bei unreiner Haut. Netter Nebeneffekt: Dadurch, dass Bakterien nur sehr schwer in Jojoba-Produkten überleben können, ist folglich die Vermehrung stark gehemmt. Für die Kosmetikindustrie heisst das: Geringer Einsatz von Konservierungsstoffen. Und für uns heisst das: Aufatmen, da das allergisierende Potential geringer ausgeprägt ist.
    3. Stabilitätsverbesserer
      Dadurch, dass sich Jojobaöl durch einen bemerkenswerten Gehalt an Tocopherolen, den so genannten „Radikalfängern“ auszeichnet, ist es selbst außerordentlich resistent gegenüber oxidativen Prozessen. Und obendrein ist es so freundlich und schützt ebenso andere Inhaltsstoffe vor eben jenen radikal-reagierenden Verbindungen. Es eignet sich daher hervorragend in Ölmischungen zur Stabilisierung anderer Öle. Dadurch bleiben eben jene anderen Öle länger haltbar und schützen langanhaltend zuverlässig vor Feuchtigkeitsverlust.
    4. Geruch & Verträglichkeit
      Da das Jojobaöl nur einen sehr dezenten Eigengeruch aufweist, ist es ein ausgesprochen beliebter Kombinationspartner von Ätherischen Ölen. Da es – als Basisöl verwendet – sehr verträglich ist und leicht einzieht, sich jedoch nur langsam auf der Haut ausbreitet („spreitet“), eignet es sich außerdem für den Einsatz in Augenkosmetika.
    5. Emulgator-Supporter
      In Emulsionen verhält sich unser Jojoba wie ein leichter Konsistenzgeber und wirkt somit neben dem Emulgator als Co-Emulgator. Es verhindert somit unterstützend zum Emulgator die Entmischung von Emulsionen und trägt wiederum zur Stabilität solcher äußerlich anzuwendenden Zweiphasengemische bei.
    6. Sonnenschutz
      Jojobaöl kann mit einem natürlichen Lichtschutzfaktor von drei bis vier aufwarten. Somit unterstützt es langanhaltende Bräune und kann daher als Basisöl für Sonnenöle verwendet werden. Dies wird vor allem Personen mit empfindlicher, allergiegeplagter Haut erfreuen.

Klartext: sinnvoll oder nicht?

Jojobaöl – was kann es eigentlich nicht? Genau dies wirst Du Dir wohl denken, wenn Du den Artikel aufmerksam bis hierhin gelesen hast. Durch seine vielfältigen, positiven Eigenschaften ist das Jojobaöl breit einsetzbar – als Co-Emulgator, in Haut- und Haarpflegeprodukten, als Basisöl zur Mischung mit ätherischen Ölen für Massageöle und ebenso als antimikrobielle und antioxidative Komponente in Ölmischungen. Fakt ist: Jojobaöl ist ein richtiger Allrounder – vielseitig einsetzbar, einseitig NICHT betrachtbar!

 

Quellenverzeichnis:

Bräutigam, Brigitte: Lexikon der kosmetischen Rohstoffe. Books on Demand GmbH, Norderstedt, 2012, S. 37

Käser, Heike: Naturkosmetische Rohstoffe. Freya Verlag, Zürich, 2011, S. 63 ff