Vitamin E


Der Radikalvernichter in Anti-Aging-Cremes

Wirkstoff Tocopherol – worum geht’s?

Vor etwa 80 Jahren wurde im Weizenkeimöl, Hafer und Mais ein Faktor entdeckt, der fettlöslich war und bei dem es sich um ein Vitamin handelte. Da es bereits die Vitamine A, B, C und D gab, wurde dieser Faktor Vitamin E genannt. Heute verbirgt sich hinter dem Begriff Tocopherol nichts Anderes als die Sammelbezeichnung aller Vitamin-E-Derivate. Vor allem die fettlöslichen sowie die antioxidativen Eigenschaften zeichnen diese Verbindungsklasse aus, welche mit einem mehr oder weniger hohem Gehalt in pflanzlichen Ölen vorkommt. Weizenkeimöl hat besispielsweise einen mittleren Tocopherolgehalt von 196 mg pro 100 g, Sojaöl und Avocadoöl folgen mit etwa der Hälfte, also 99 mg pro 100 g Öl. Jedoch setzt sich die große Gruppe der Tocopherole aus α-, β-, γ- und δ- Tocopherol zusammen, deren einzelner Gehalt am Gesamtgehalt stark variieren kann. Chemisch unterscheiden sich die einzelnen Tocopherolderivate nur minimal. Das α – Tocopherol hat dabei die höchste biologische Wertigkeit aller antioxidativ wirkenden, zellschützenden Vitamin E – Derivate. γ- und δ- Tocopherol bieten dahingegen den besten pflanzeneigenen Selbstschutz, da sie das Pflanzenöl vor Oxidation schützen. Ebenso ist belegt, dass Vitamin A (Retinol) nicht so beständig ist in Ölen mit einem geringen Gehalt an Tocopherol. Vorteilhafter für die Stabilität sind hier also Öle mit einem hohen Anteil an Tocopherol. Tocopherol ist chemisch gesehen ein in Position sechs hydroxylierter Chromanring, der unterschiedlich methyliert ist, so dass eben die verschiedenen Derivate entstehen können. Als lipohiles, also fettlösliches Vitamin weist es eine starke antioxidative Wirkung auf. Es ist in der Lage Sauerstoffatome freier Radikale zu binden und Oxidationsprozesse zu verlangsamen.

Wie wirkt Tocopherol?

In der Kosmetikindustrie wird eben die Fähigkeit geschätzt, Oxidationsvorgänge von Membranlipiden, die sich in der Haut befinden und von Emulsionslipiden einzuschränken. Außerdem wird Feuchtigkeit durch diesen Wirkstoff in der Hornhaut gebunden und Hautschäden werden reduziert, die durch UV-Strahlung entstanden sind. Und eben jene Eigenschaft hat eine eindeutig glättende Wirkung auf das Hautrelief. Darüber hinaus besitzt es eine zellerneuernde und entzündungshemmende Wirkung, sodass es Wundheilungsprozesse fördert. Besonders förderlich ist auch die Kombination mit der Ascorbinsäure, dem Vitamin C. Da Vitamin E als Radikalfänger in der Lage ist, diese abzufangen, wird es am Ende der Reaktion aber selbst zu einem. Hier kommt dann das Vitamin C ins Spiel, welches die Fähigkeit hat, das Vitamin-E-Radikal wieder zurück zu bilden. Daher sollten beide Vitamine vorzugsweise kombiniert werden, da sich das Vitamin E ja quasi permanent regeneriert. Problematisch wird es nur bei einer zu hohen Konzentration an Vitamin E. Hierbei kann es zu Kettenreaktionen der einzelnen Radikale miteinander kommen kann. Da müsste dann theoretisch auch die Dosis an Vitamin C wieder erhöht werden. So findet unser Tocopherol bevorzugt seinen Einsatz in Emulsionen, da sich das Vitamin hervorragend in der lipohilen, also fettliebenden Phase löst. Oder man modifiziert es chemisch, so dass es sich in seiner Salzform (z. B. Tocopherolacetat) in der wässrigen, also hydrophilen Phase löst. Allerdings wissen wir, dass nur lipohile Verbindungen auch wirklich die Haut passieren können. Und wenn es das tun soll, dann muss es sich wirklich in der lipophilen Phase der Emulsion anreichern.

Und wie wirkt es dann im Körper?

In seiner wichtigsten Funktion, nämlich der als lipidlösliches Antioxidans, ist es eben in der Lage, mehrfach ungesättige Fettsäuren, welche in Liporoteinen und Membranlipiden vorkommen, vor Oxidationsprozessen zu schützen.
Darüber hinaus steuert Vitamin E die Funktion der Keimdrüsen und wird als „Antisterilitätsvitamin“ bezeichnet. So lange also Vitamin E in ausreichender Menge in Deinem Körper vorhanden ist, bist Du also stets potent. Und auch in Notfallsituationen kann Vitamin E, am besten jedoch das α-Tocopherol, in der Leber gespeichert werden. So kann eine einmalige Gabe für längere Zeit seine Wirkung entfalten.

Vorsicht, Nebenwirkungen!

Und auch bei diesem Vitamin stellt sich wieder die Frage nach dem täglichen Bedarf sowie die Auswirkung einer Hypo- oder Hypervitaminose. Der Mindestbedarf liegt bei 4 mg pro Tag, jedoch sollte bei einer Zufuhr von vielen mehrfach ungesättigten Fettsäuren, darauf geachtet werden, dass man mehr Tocopherol aufnimmt. Grund: Oxidationsgefahr der mehrfach ungesättigten Fettsäuren! Doch was passiert, wenn Du zu wenig Vitamin über einen längeren Zeitraum aufgenommen hast? Du bekommst eine trockene, faltige Haut, leidest unter Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und Leistungsstörungen. Und falls Du Dich jetzt angesprochen fühlst, weil Du morgens in der Uni oder Schule immer so müde bist und auch Coffein in jeder möglichen Form nicht hilft, so sei Dir eines gesagt: Als normaler, sich halbwegs gesund ernährender Europäer wirst Du genügend Vitamin E in Deinem Körper haben! Das fettlösliche Vitamin lagert sich nämlich vorzugsweise in Leber und Fettgewebe ein. Und aus diesen Speichern kannst Du in solchen Notsituationen schöpfen. Gefährlich wird es nur, wenn du Mengen von über 2000 mg pro kg Körpergewicht zu Dir nimmst. Dafür müsste ein 70 kg schwerer Mensch allerdings in etwa 70 kg Weizenkeimöl täglich zu sich nehmen. Na dann, Prost Mahlzeit!

Klartext: Sinnvoll oder nicht?

Wie wichtig Tocopherol als fettlösliches, antioxdativ wirkendes Vitamin E für den menschlichen Körper ist, sollte aus dem Text hervor gegangen sein. Vor allem seine Eigenschaften als Radikalfänger zeichnen dieses wertvolle Vitamin aus, welches unbedingt in guten Anti-Aging-Cremes enthalten sein sollte. Und dass die Kombination aus Vitamin C und Vitamin E in Kosmetikprodukten einfach traumhaft ist, wisst Ihr seit heute auch. Achtung, Achtung: Radikalfänger im Einsatz!

 

Quellenverzeichnis:

Ammon ,Hermann (Hrsg.), Curt Hunnius: Pharmazeutisches Wörterbuch. 9. Auflage. de Gruyter Verlag, Berlin, 2004, S. 1601 f

Bräutigam, Brigitte: Lexikon der kosmetischen Rohstoffe. Books on Demand GmbH, Norderstedt, 2012, S. 117

Käser, Heike: Naturkosmetische Rohstoffe. Freya Verlag, Zürich, 2011, S. 270 ff

Mutschler, E.; Geisslinger, G.; Kroemer, H.K.: Mutschler Arzneimittelwirkungen, Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart, 2008, S. 774

Voigt, Rudolf: Pharmazeutische Technologie. Deutscher Apothekerverlag, Stuttgart, 2010, S. 197