Vitamin C


Der Radikalchampion in Sachen Falten-Bekämpfung

Wirkstoff Ascorbinsäure – worum geht’s?

Obwohl die synonym-verwendeten Bezeichnungen vieler Vitamine oft nicht gewusst werden, weiß aber fast jeder, dass es sich bei der Ascorbinsäure um das wasserlösliche Vitamin C handelt. Darüber hinaus wissen viele, wie essentell dies für unseren Körper und die darin ablaufenden physiologischen Vorgänge ist. Und ebenso ist bekannt, dass unser Körper nicht in der Lage ist, Vitamin C selbst zu synthetisieren. Grund: Ein wichtiges Enzym fehlt uns einfach. Nämlich die L-Gulono-γ-lacton-Oxidase. Bleibt also nur eine Lösung: Vitamin C muss dem Körper zugeführt werden. Und zwar in Form von frischem Obst und Gemüse, da der Gehalt an Ascorbinsäure beim Kochen oder Trocknen sinkt.

Doch welche frischen Früchtchen haben das meiste Vitamin C? Unweigerlich denkt man sofort an Zitrusfrüchte wie Orangen, Zitronen und Grapefruits. Die haben zwar mit einem Gehalt von etwa 120 mg pro 100 g Obst einen ziemlich hohen Gehalt an Vitamin C, jedoch geht es auch deutlich höher. Spitzenreiter ist die Buschpflaume, eine Pflanzenart, die in den nordwestlichen tropischen Waldgebieten Australiens beheimatet ist. Sie enthält 50 mal so viel Vitamin C wie eine Orange, also bis zu 3000 mg pro 100 g Frucht. Damit läuft sie auch der südamerikanischen Camu-Camu-Frucht den Rang ab, die in den Amazonasgebieten beheimatet ist. Sie enthält 2000 mg pro 100 g Obst und man fragt sich: Welche einheimischen Obst- oder Gemüsearten sind denn ebenso reich an dem wasserlöslichen Feststoff mit dem säuerlichen Geschmack? Da sei Euch die Hagebutte, der Sanddorn und die Schwarze Johannisbeere genannt. Und nicht zu vergessen die Kohlarten wie Grünkohl, Rosenkohl und Brokkoli. Also, rein in den Supermarkt und vollgepackt das Körbchen mit all den guten Dingen! Euer Bindegewebe wird es Euch danken.

Wie wirkt Ascorbinsäure?

Doch was verbirgt sich chemisch gesehen hinter diesem farb- und geruchlosen, gut wasserlöslichem Feststoff? Richtig, zunächst ein mal der saure Geschmack. Daher kommen auch unweigerlich die Assoziationen mit den Zitrusfrüchten, die doch einen geringeren Vitamin C-Gehalt aufweisen, als eigentlich gedacht. Außerdem handelt es sich schon, wie der Name verrät, um eine organische Säure, deren Salze man Ascorbate nennt, zu nennen wäre hier zum Beispiel das Natriumascorbat (E 301) und das Claciumascorbat (E 302). Diese Lebensmittelzusatzstoffe werden als Antioxidantien häufig Fruchtsäften, Gelees und Konfitüren zugesetzt, um die Braunfärbung, welche durch Oxidation entsteht, entgegen zu wirken. Für den kosmetischen Einsatz kommen aber wieder mal die Ester ins Spiel. Hier wird die Ascorbinsäure wieder mit den geliebten, langkettigen Fettsäure verestert und so entstehen wieder diese lipohilen, also fettliebenden Verbindungen, die unsere Hornschicht (stratum corneum) passieren können.

Hier sei vor allem das Ascorbylpalmitat genannt, welches sehr oft Emulsionen zugesetzt wird, um diese vor oxidativen Prozessen zu schützen. Diese Verbindung wird erst in der Haut selbst, also nach Passage der obersten Hautschicht, durch hauteigene Lipasen gespalten. Es dient so zur Stabiliserung eben jeder Emulsionen, da es durch den Luftsauerstoff so schnell oxidiert wird und somit andere Wirkstoffe, die ebenfalls oxidierbar sind, schützt. Man kann sich also merken: Ascorbinsäure = Antioxidans.

Und wie war das doch gleich mit den Piraten?

Denen sind doch die Zähne nach langer Zeit auf dem Meer ausgefallen? Und waren sie nicht auch anfälliger für Infektionen? Die Wundheilung war doch auch sehr schlecht? Genau, das alles ist zutreffend, denn nach langer Zeit auf dem Meer, nach der frische Lebensmittel aufgebraucht waren und es unmöglich war, Obst und Gemüse überhaupt so lange haltbar zu machen, schlich sich die Vitamin C-Mangelkrankheit Skorbut ein. Die Symptome machten sich erst nach vier Monaten auf hoher See bemerkbar und es ware nicht nur die Seefahrer, die darunter litten. Skorbut als Krankheitsbild war schon den alten Ägyptern im 2. Jahrhundert vor Christi bekannt. Doch warum genau fallen nun die Zähne aus? Das Schlüsselwort hierfür ist mal wieder das Kollagen. Sobald das Vitamin C im Körper fehlt, kann ein bestimmtes Enzym, die Prolyl-4-Hydroxylase nicht mehr ordnungsgemäß arbeiten. Und wenn dies der Fall ist, kann kein stabiles Kollagen mehr aufgebaut werden. Das Kollagen wird also instabil. Und da dieses praktisch in allen Organen und Geweben vorkommt, vor allem aber eben im Bindegewebe, wird dies schlapp und nachgiebig. Und so passiert es, dass den Seefahrern die Zähne ausfielen. Sie waren eben einfach nicht mehr haltbar.

Außerdem ist Vitamin C ein wichtiger Cofaktor und spielt eine große Rolle beim Aufbau von Aminosäuren, vor allem des L-Tyrosins. Dies ist quasi die Mutter der wichtigen Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin. Dieses sind körpereigene, chemische Botenstoffe die Informationen von Nervenzelle zu Nervenzelle weiter geben, in dem sie aus ihren Speichern frei gesetzt werden. In Kombination mit den B-Vitaminen Niacin und Biotin steuert Vitamin C die Produktion von L-Carnitin, einer natürlich vorkommenden Verbindung, welche für die Fettverbrennung unabdingbar ist.

Und in der Kosmetikindustrie, wo findet das Vitamin da seinen Einsatz?

Dass die Kombination Kollagen und Vitamin C hilfreich und nützlich ist, ist nicht erst seit gestern bekannt. Das Vitamin steigert nicht nur die Konzentration an Kollagen. In Kombination mit der Hyaluronsäure wird dieses nämlich noch besser von der Haut aufgenommen. Und wo werden diese Wirkstoffe wohl ihren Einsatz finden? Richtig, in Antig-Aging-Produkten. Immerhin ist das Vitamin ja als Champion des Radikalfangens bekannt und schützt die Haut vor lichtinduzierten UV-Schäden. Doch sei Sonnenanbetern, die sich ungeschützt in die Sonne knallen oder sich dieser tagelang aussetzen, gesagt, dass ein bisschen cremen mit Antig-Aging-Creme wohl nicht helfen wird. Denn nur geringe Mengen an schädlichen UV-Strahlen sind mit Creme zu kompensieren und das zeigt wieder mal: Sonnenschutz bei intensivster Sonneneinstrahlung ist ein Muss. Sonst kannst Du die Falten und Furchen bald nicht mehr an zwei Händen abzählen…

Vorsicht, Nebenwirkungen!

Dass man in den letzten Jahrhunderten aber auch heute schneller an einer Unterversorgung an Vitamin C, einer Hypovitaminose, leiden kann, als einem lieb ist, ist klar. Doch kann ein zu viel an Vitamin C auch schädlich sein? Oder kann ich so viel Obst und Gemüse essen, Smoothies und Fruchtsäfte trinken, wie mir lieb ist und den Überschuss einfach wieder ausscheiden? Und wie hoch ist eigentlich der Tagesbedarf an Vitamin C? Fragen, die sich ergeben können und zum Teil kontrovers diskutiert werden. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung beträgt die Empfehlung für einen gesunden Erwachsenen 100 mg. Du müsstest quasi nur 100 g von einer Paprika essen und hättest für den Tag ausgesorgt. Andere Gesellschaften und Verbände empfehlen eine geringere Zufur an Vitamin C, wieder andere eine deutlich höhere, getreu dem Motto: Iss so viel Obst und Gemüse wie Du kannst, den Überschuss scheidest Du sowieso wieder aus. Ernährst Du Dich jedoch ausgewogen und achtest darauf, was in Deinen Körper kommt und was nicht, kannst Du davon ausgehen, dass Du mit allen lebensnotwendigen Vitaminen ausreichend versorgt bist. Vitaminpräparate oder Nahrungsergänzungsmittel sind daher völlig überflüssig. Das Geld dafür kannst Du lieber bei Deinem nächsten Einkauf am Obststand ausgeben. Wichtig ist noch zu erwähnen, dass Schwangere und Stillende einen höheren täglichen Bedarf an Vitamin C haben, das betrifft aber nahezu alle Vitamine und Spurenelemente. Schliesslich ernähren diese Frauen ja zwei Personen. Grund für eine Unterversorgung, also für eine Hypovitaminose, ist der unregelmäßige, nicht tägliche Verzehr von frischem Obst und Gemüse. Jedoch genügen sogar nur knapp 20 mg Vitamin C, also 20 g Paprika täglich um Skorbut zu vermeiden. Und das sollte doch wirklich möglich sein, oder?!

Klartext: Sinnvoll oder nicht?

Vitamin C stimuliert also den Bindegewebsstoffwechsel. Es stimuliert für die Kollagen-Produktion verantwortlichen Enzyme und hemmt gleichzeitig den Abbau des Kollagens. Darüber hinaus ist es wichtig für die Fettverbrennung und die bessere Resorption von Eisen aus dem Dünndarm. Alles physiologische Prozesse, die ganz von allein im Körper ablaufen. Das Einzige, was wir tun müssen: Einkaufen gehen und frisches Obst und Gemüse kaufen. Dies müssen wir dann nur noch Essen, der Körper füllt ganz von allein seine Reserven auf und scheidet das, was zu viel ist, einfach wieder aus. Und das sollte doch keine schwere Aufgabe sein. Natürlich kann frisches Obst und Gemüse teuer sein, doch hier wisst ihr, was ihr habt. All die Sachen kommen direkt aus den Gärten der Erde und es wurden weder Antioxidationsmittel noch Geschmacksverstärker oder Zuckerzusätze hinzugefügt. Ihr könnt euer Süppchen also selber kochen – wer abnehmen möchte, kocht sich doch gleich ein Kohlsüppchen – oder Euch einen leckern Smoothie selbst machen. Alles was man benötigt ist ein bisschen Zeit und Körperbewusstsein. Und auch hier lautet wieder die Devise: Du bist, was Du isst!

 

Quellenverzeichnis:

Ammon ,Hermann (Hrsg.), Curt Hunnius: Pharmazeutisches Wörterbuch. 9. Auflage. de Gruyter Verlag, Berlin, 2004, S. 1599 f

Käser, Heike: Naturkosmetische Rohstoffe. Freya Verlag, Zürich, 2011, S. 268 ff

Mutschler, E.; Geisslinger, G.; Kroemer, H.K.: Mutschler Arzneimittelwirkungen, Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart, 2008, S. 782