Vitamin A


Die Wunderwaffe gegen Fältchen und Altersflecken

Wirkstoff Retinol – Worum geht’s?

Das vor gut 100 Jahren entdeckte Vitamin, das zur Gruppe der fettlöslichen Vitamine gehört und selbst genauer als Vitamin A1 bezeichnet wird, steckt vor allem in Lebensmitteln wie Fisch, Butter, Milchprodukten oder Eigelb. Veganern sei also gesagt: Unbedingt Vitamin A in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zuführen. Chemisch gesehen handelt es sich wie schon gesagt um ein fettlösliches, essentielles Vitamin. Der Körper kann alle essentiellen Nährstoffe nicht selbst produzieren und ist unbedingt auf die Zufuhr von außen angewiesen. Da es selbst aus 20 Kohlenstoff-Atomen aufgebaut ist, ordnet man es strukturell in die Gruppe der Diterpene ein.

Wie wirkt Retinol?

Bei ausreichender Fettversorgung können bis zu 80% dieses A-Vitamins resorbiert werden. Da unser Vitamin in der Nahrung jedoch vornehmlich als Ester vorliegt, muss diese chemische Struktur noch vor der Resorption, also der Aufnahme in den Körper, gespalten werden. Nachdem der freie Alkohol (keine Angst, hier trifft die Bezeichnung Alkohol auf die funktionelle Gruppe des Moleküls, die Hydroxylgruppe, zu!) dann von den abertausenden, winzigen Darmepithelzellen aufgenommen wurde, wird unser RetinOL (die Endsilbe -OL weist auf die alkohOLische Hydroxylgruppe hin) zur Leber transportiert. Und in eben jenem Organ schlussendlich zu bis zu 80% gespeichert. Bei Bedarf wird dieses Vitamin dann aus der Leber freigesetzt und über die Blutbahn in jede beliebige Zelle unseres Körpers transportiert. In diesen Zellen wird es zwar noch chemisch durch oxidative Prozesse verändert, die Wirkung bleibt aber die selbe. Und diese kann sich wie folgt gestalten:

  1. Hämatopoese
    Retinol und seine chemisch verwandten Verbindungen haben einen Einfluss auf die Hämatopoese, also auf die Bildung und Reifung aller roten Blutkörperchen im Knochenmark. Außerdem beeinflussen sie positiv die Freisetzung eben jener Blutkörperchen aus ihrem Bildungsort. Dadurch kann mehr Sauerstoff zu den Zellen hin transportiert werden und mehr Kohlenstoffdioxid als Abfallprodukt von den Zellen aufgenommen werden. Und eben jener kann dann ganz unproblematisch wieder ausgeatmet werden.
  2. Fortpflanzung und Entwicklung
    Sowohl bei der Reifung des Eis im Eierstock (Ovar) der Frau als auch bei der Reifung der Spermien in den Hoden (Testis) der Männer übernimmt das Vitamin A eine wichtige Aufgabe. Auch hat es Einfluss auf die Entwicklung der Plazenta und des Embryos während einer Schwangerschaft. Kurz gesagt: Vitamin A ist essentiell für eine ordnungsgemäße Entwicklung, das Wachstum und die Fortpflanzung!
  3. Mit allen fünf Sinnen
    Sehen, Hören, Riechen und Schmecken – genau diese vier Sinneswahrnehmung sind neben dem Fühlen lebensnotwendig und ermöglichen uns die intensive Wahrnehmung unserer Umwelt. Folglich muss auch für all diese „sinnlichen“ Prozesse ausreichend Vitamin A zur Verfügung stehen. Darüber hinaus reagiert unser Retinol liebend gern mit einem Protein names Opsin zum so genannten Rhodopsin, dem Sehpurpur. Und genau dieser wird vor allem in die Stäbchen unserer Netzhaut eingelagert und ermöglicht uns so das Hell-Dunkel-Sehen!
  4. Und noch ein weiteres Antioxidans…
    Auch dieses fettlösliche Vitamin hat neben Vitamin C, Vitamin E und Q10 eine Abneigung gegen diese reaktiven Moleküle. Es bindet oder inaktiviert diese und senkt so den Gehalt an den so genannten ROS, den reaktiven Sauertoffspezies. Damit sinkt auch die Entstehung von oxidativem Stress und das sichtbare Altern unserer Haut schreitet langsamer voran. Des Weiteren sinkt die Entstehung von Tumoren, da unser biologisches Material im Zellkern weniger stark von außen verändert wird.

Der Retter des Kollagens!

Kurz nach der Entdeckung des Vitamin A1 wurde dieses vor allem gegen Pickelchen eingesetzt. Etwa 100 Jahre und 2.000 Studien (darunter auch viele klinische Studien) später wurde der Einsatz der Vitamin A-Säure, der Retinsäure (Tretinoin), erweitert. Von Ärzten wird diese Säure schon länger als sehr effektives Mittelchen gegen Falten, Pigmentflecken und schlaffe Haut eingesetzt. Da es auf Grund der hautreizenden Wirkung nur in sehr geringen Konzentrationen eingesetzt werden darf (in Deutschland: das wesentlich schwächere Retinol in einer Konzentration von bis zu 0,3 %), ist es trotzdem so effektiv wirksamn, dass es das Bindegewebe aufbaut und Enzyme hemmt, die Kollagen abbauen. Und wie wir wissen verleiht Kollagen Zugfestigkeit und Elastizität. Und genau diese positiven Eigenschaften sollen ja unsere Gesichtshaut kennzeichnen. Folglich gilt: Kollagen gut, alles gut!

Vorsicht, Nebenwirkungen!

Nebenwirkungen treten nur auf, wenn ein Mangel (Hypovitaminose) oder eine Überdosierung an Vitamin A (Hypervitaminose) vorliegt. Der tägliche Bedarf an Vitamin A beträgt etwa 1 mg oder 2 mg β-Carotin. Bei β-Carotin handelt es sich um ein Provitamin, welches schlechter resorbiert werden kann, daher ist der alternative Bedarf des Körpers an ihm höher. Doch welche Anzeichen können Dich auf eine Über- oder Unterversorgung an Retinol aufmerksam machen?!

  1. Vitamin A – Mangel
    Erste Boten eines Vitamin-A-Mangels sind Sehstörungen, trockene und schuppige Haut und bei längerem Mangel eine deutlich erhöhte Infektanfälligkeit. Darüber hinaus kann es zu Geschmacks- und Hörstörungen und Appetitlosigkeit kommen. Da Vitamin A wie oben erwähnt essentiell für die Fortpflanzung und Entwicklung sind, zeichnet sich ein Mangel an Retinol auch durch verminderte Fertilität (Fruchtbarkeit), frühkindliche Missbildungen und Wachstumsstörungen aus.
    Erschreckend ist jedoch, dass es mehr als 25% der Bevölkerung nicht schaffen, den täglichen Bedarf an Vitamin A über die Nahrung zu decken. Daher sind solche Menschen besonders affin für Nahrungsergänzungsmittel. Risikogruppen, die wirklich immer auf einen ausgeglichenen Vitamin A-Haushalt achten sollten, sind nicht nur Raucher und Alkoholiker, sondern auch Stillende und Schwangere. Und eben die Menschen, die auf jegliche tierischen Produkte verzichten. Durch eine unausgewogene Ernährung kann es außerdem zu einer Hypovitaminose kommen.
  2. Vitamin A-Überdosierung
    Sobald ein Erwachsener mehr als 500 mg oder ein Kind mehr als 100 mg des A-Vitamins aufnimmt, kann es zu einer akuten Hypervitaminose können. Diese äußert sich in Symptomen wie starker Müdikgeit, Übelkeit oder Kopfschmerzen. Nach etwa 24 Stunden setzt eine erhebliche Schuppung der Haut ein, langanhaltend kann sich die Knochendichte verringern. Eine Überdosierung in der Schwangerschaft kann hier zu Missbildungen des Fötus führen.

Klartext: Sinnvoll oder nicht?

Man sieht also, dass allein die Dosis macht, dass eine Substanz zu einem Gift wird. Es kommt also auch hier auf ein gesundes Mittelmaß an. Zu wenig Vitamin A kann ebenso schädlich sein wie zu viel! Doch wenn ihr Euch ausgewogen ernährt, nicht gerade zur oben erwähnten Risikogruppe gehört, dann solltet ihr Euch keine Gedanken machen! Denn so lange ihr noch ausgezeichnet Hell-Dunkel sehen könnt und sich Eure Haut nicht wie die einer Schlange abschuppt, wird schon alles in Ordnung mit Euch sein.

 

Quellenverzeichnis:

Ammon ,Hermann (Hrsg.), Curt Hunnius: Pharmazeutisches Wörterbuch. 9. Auflage. de Gruyter Verlag, Berlin, 2004, S. 1595 f

Mutschler, E.; Geisslinger, G.; Kroemer, H.K.: Mutschler Arzneimittelwirkungen, Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart, 2008, S. 768