Tenside - wie schädlich sind sie wirklich?


 

Liebes Kosmetik.org Team, ich habe in letzter Zeit öfter schlechte Dinge über Tenside gehört. Sie sollen die Umwelt schädigen und das Grundwasser belasten, stimmt das? Sollte man lieber auf Seifen und Waschmittel verzichten?

 

Tenside- Was ist das überhaupt?

Tenside sind waschaktive Substanzen, sie senken die Oberflächenspannung von Wasser. Das kannst Du ganz einfach in einem kleinen Experiment Zuhause ausprobieren, man füllt einfach in ein Wasserglas randvoll Leitungswasser, bis es sich über den Rand hinaus aufwölbt. Obwohl das Ende des Glases erreicht ist, wölbt sich das Wasser darüber, das beruht auf der Oberflächenspannung. Sie hält die Flüssigkeit zusammen.

Nun gibst Du ein zwei Tropfen Spülmittel oder Seife dazu, rührst um und probierst das Experiment noch einmal. Du wirst feststellen, dass das Wasser an den Seiten überläuft. Die Tenside sind oberflächenaktiv und senken die Oberflächenspannung von Wasser.

Im Aufbau muss man sich die Teilchen vorstellen wie ein Köpfchen mit einem langen Schwanz. Der Kopf ist hydrophil, das bedeutet soviel wie „wasserliebend“, er streckt sich zur Seite der wässrigen Komponente. Der lange Schwanz ist hydrophob, also „wasserscheu“ sozusagen und streckt sich lieber an die Luft oder fügt sich mit anderen Tensiden in einem Kreis zusammen, einer sogenannten Mizelle, wo alle Köpfchen nach außen stehen. Dadurch, dass sich die Tenside auch an der Oberfläche anlagern und die Schwänzchen nach außen ragen, kann sich am Glas keine Kuppel mit Wasser bilden.

Tenside machen unsere Wäsche wieder sauber!

Wenn man Wäsche wäscht, passiert folgendes: Zucker oder Salze gehen leicht in Lösung, man bräuchte nicht mal ein Waschmittel, um sie zu entfernen. Fette, Eiweiße und andere hartnäckige Flecken wie Kaffee und Wein gehen nur mit Tensiden aus der Kleidung. Die langen Schwänzchen versuchen immer mit möglichst wenig Wasser in Berührung zu kommen und „bohren“ sich förmlich in den Schmutz der Kleidung und lösen ihn somit ab. Ist er abgelöst, wird er in einem Kreis aus Tensiden eingeschlossen und später in die Kanalisation gespült. Unsere Wäsche ist wieder sauber.

Nicht nur in Waschmitteln

Tenside finden sich aber nicht nur in Waschmitteln sondern auch in Lebensmitteln, Kosmetika, Shampoos, Duschmitteln usw. Sie sind nicht nur als reinigende Komponente im Einsatz, sondern auch als Emulgatoren, diese verbinden zwei sonst nicht mischbare Komponenten miteinander, zum Beispiel Öl und Wasser.

Ganz verzichten kann man auf Tenside nicht, man kann jedoch sehr umweltbelastende meiden und sparsam mit Waschmittel etc. umgehen. Nach dem Motto so viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Die schwarzen Schafe unter den Tensiden

Die Weltproduktion an Tensiden liegt bei mehreren Millionen Tonnen pro Jahr. Bei der Menge braucht es effiziente Methoden die Tenside wieder aus dem Abwasser zu entfernen. Man unterscheidet zwischen

anionischen (negativ geladenes Köpfchen),

kationischen (positiv geladenes Köpfchen),

amphoteren (beide Ladungen am Köpfchen) und

nichtionischen (keine Ladung) Tensiden.

Im Folgenden wird nur auf schlecht abbaubare Tenside und Substanzen eingegangen.

Problematisch sind vor allem die phosphathaltigen Waschmittel. Sie führen zu einer Eutrophierung (Überdüngung) der Gewässer. Phosphat ist hier begrenzender Faktor, das heißt mit dem Phosphatgehalt des Wassers steigt auch die Vermehrung der Pflanzen. Und damit auch die Vermehrung von Bakterien und Tieren und somit erhöht sich der Sauerstoffbedarf der irgendwann nicht mehr gedeckt werden kann, das Gewässer kippt um und zum Beispiel Fische sterben.

Verordnung soll Wasserbestände schützen

Um dies zu verhindern, gibt es in Deutschland seid 1980 eine Verordnung über Höchstmengen von Phosphaten in Wasch- und Reinigungsmitteln. Heute enthalten sie meist gar keine Phosphate mehr. Nach aktueller Gesetzeslage müssen Tenside in Wasch- und Reinigungsmitteln heute in den Kläranlagen vollständig biologisch abbaubar sein. Ausnahmen können in der Industrie und Gewerbe genehmigt werden. Kosmetische Tenside müssen „primär“ biologisch abbaubar sein, das bedeutet, sie verlieren nur ihre oberflächenaktiven Eigenschaften.

Lineare Alkylbenzolsulfonate sind die am häufigsten eingesetzten anionischen Tenside, sie sind in Kläranlagen zum größten Teil abbaubar, jedoch gelangen kleine Teile durch den Klärschlamm in die Umwelt und können sich dort anreichern.

In der Natur ist die Oberflächenspannung von Wasser für manche Tiere überlebensnotwendig, zum Beispiel können Wasserspinnen ihre Luftblase mit an den Grund nehmen oder Wasserläufer auf dem Wasser laufen. Ab einer bestimmten Konzentration können Tenside auch direkt tödlich sein, zum Beispiel die Kiemen von Fischen schädigen oder für toxische Stoffe durchlässig machen.

EDTA wird als Komplexbildner eingesetzt, es soll das Wasser enthärten und Calcium und Magnesium Ionen abfangen. Dadurch wird weniger Waschmittel verbraucht. EDTA wird in Kläranlagen nicht abgebaut, es kann sogar Schwermetalle aus dem Klärschlamm lösen. In Wasch- und Reinigungsmitteln im privaten Haushalt findet es heute keine Anwendung mehr.

Ins Grundwasser gelangt ist vor allem das giftige PFT (perflourierte Tenside), diese finden sich häufig im Löschschaum der Feuerwehr.

Fazit der Redaktion

Der Löwenanteil der Tenside befindet sich in Wasch- und Reinigungsmitteln, in Kosmetik befinden sich absolut gesehen geringere Mengen Tensid. Wenn Du aktiv die Umwelt schützen willst, und komplett auf konventionelle Tenside verzichten möchtest, kannst Du in Bioläden und Reformhäusern Waschmittel mit 100% abbaubaren Stoffen kaufen.Diese sind jedoch entsprechend teuer.

Als Otto-Normal Verbraucher kannst Du jedoch darauf achten, immer nur volle Maschinen zu waschen, sparsam mit Waschmittel, Shampoo und Duschgel umzugehen und so viel wie nötig, so wenig wie möglich zu verwenden. Weichspüler sind in der Regel nicht notwendig.