Sonnenblumenöl


Die Sonnenblume – kleine Kerne, große Bedeutung

Wirkstoff Sonnenblumenöl – Worum geht’s?

Dass die Sonnenblume eine eindrucksvolle Erscheinung ist, ist Fakt. Schon in der Grundschule lernten wir, dass ihre Blüte Tag um Tag dem Lauf der Sonne folgt. Sie wendet also „ihr Gesicht“ permanent dem Sonnenschein – also dem Licht – zu.  So kann sie jeden Sonnenstrahl einfangen und für sich nutzen. Da dieser Vorgang „Heliotropismus“ genannt wird, ist es nicht verwunderlich, dass die Sonnenblume im lateinischen „Helianthus annuus“ genannt wird. Die Franzosen nennen diese aus Nordamerika stammende, große gelbe Blume aus der Familie der Korbblütler „Tournesol“ – die, die sich nach der Sonne dreht. Das Sonnenblumenöl wird aus dem Samen eben jener gleichnamigen Blume gewonnen und ist gekennzeichnet durch die hellgelbe Farbe und den milden Geschmack.

Natürliches Sonnenblumenöl vs. verändertes Sonnenblumenöl

Im Handel befindlich sind verschiedene Sorten von Sonnenblumen und folglich werden die gewonnenen Öle auch unterschiedlich genutzt. Zum einen gibt es die natürlichen, unveränderten Sorten. Das native Sonnenblumenöl, welches hellgelb ist und leicht nussig duftet und schmeckt, ist auch in Bio-Qualität preiswert und eignet sich hervorragend für seinen Einsatz in Topf, Pfanne und Salatdressing. Unter den züchterisch veränderten Sorten, welche aber nicht durch Gentechnik, sondern durch Selektion verändert wurden, befindet sich eine „High Oleic“-Sorte, deren Öl durch einen etwa vierfach höheren Gehalt an Ölsäure gekennzeichnet ist. Bei normalen Sonnenblumen beträgt der Gehalt an eben jenem Öl etwa 20%, an den selektiv veränderten Blumen 80%. Eben jene Sorten finden ihren Einsatz aber vor allem in der industriellen Branche, da der hohe Gehalt an Ölsäure das Öl stabilisiert, seine Haltbarkeit verlängert und dieses zu einem hoch erhitzbaren Öl macht. Daher ist es sehr gut zum Frittieren geeignet. Darüber hinaus wird das ölsäurereiche Sonnenblumenöl auch zum Verschneiden von kosmetisch hochwertigeren Ölen benutzt, wie etwa dem Mandelöl. Auf der „Zutatenliste“ findest Du bei verschnittenem Öl die Angabe „Mandelöl“ genau vor der Erwähnung des „Sonnenblumenöls“. Es wurde in solchen Produkten also das „Mandelöl kosmetischer Qualität“ genutzt und verarbeitet.

Spezielle Sorten für die verschiedenen Einsatzgebiete?!

Ja, solche Sorten gibt es in der Tat. Diese zeichnen sich durch einen sehr niedrigen Anteil an Schalen der Kerne aus und haben besonders viel Röhrenblüten, denn diese enthalten ja die Samen. Auch gibt es einen „Futter-Typ“, welcher vor allem an das Vieh verfüttert wird und sich durch einen hohen Blattmasseanteil auszeichnet. Der „Speise-Typ“ hat besonders große, locker sitzende Kerne, welche man zum Verfeinern von Salten nehmen kann. Auch gibt es Sorten, die einen hohen Anteil an genau einer oder zwei Fettsäure(n) aufweisen. Um einen Liter Sonnenblumenöl zu gewinnen, werden die geschälten Kerne von etwa 60 Sonnenblumen verarbeitet. Fertig ist das milde Öl.

Und was steckt genauer in den schwarzen Samen?

Beim Sonnenblumenöl handelt es sich um ein linolsäurereiches Öl, welches durch einen relativ niedrigen Gehalt an gesättigten Fettsäuren gekennzeichnet ist. Der Gehalt an dem antioxidativen Tocopherol liegt mit 62 mg pro 100 g Öl zwar nur in der goldenen Mitte, jedoch besteht es aber vor allem aus dem nicht nur antioxidativ wirkenden, sondern auch zellprotektiven α-Tocopherol. Da das die Pflanze schützende γ-Tocopherol nur in zu einem sehr gerinen Anteil enthalten ist, ist das Sonnenblumenöl unglücklicherweise nur bedingt lange haltbar. Du musst es also unbedingt gut verschlossen und kühl lagern. Wichtig ist auch, dass Du das Öl in einer dunklen Flasche lagerst, welche Du nach Anbruch innerhalb der nächsten sechs Monaten aufbrauchen solltest. Außerdem enthält das Öl auch unverseifbare Anteile wie Phytosterole oder Lecithin. Gelegentlich werden die Kerne auch mit Schale verarbeitet und gepresst, sodass Schalenwachse bei geringeren Temperaturen ausfallen können. Es bilden sich Kristalle, welche sich als feste Partikel absetzen können. Es gibt auch ein Sonnenblumenwachs, welches aber separat verkauft wird und seinen Einsatz als Konsistenzgeber vor allem in Lippenstiften und Emulsionen, oder aber auch in der dekorativen Kosmetik findet.

Wie wirkt Sonnenblumenöl?

Da das Sonnenblumenöl ja einen hohen Gehalt an Linolsäure vorweist und eher einen niedrigen Anteil an gesättigten, langkettigen Fettsäuren, ist es ein leichtes und mild pflegendes Öl. Der Gehalt an α-Tocopherol wirkt nicht nur entzündungshemmend. Er schützt zudem die Hautlipide vor Oxidation und wirkt sich förderlich auf das Einziehvermögen des Öls aus. Eben jenes wird auch durch den Lecithingehalt von etwa 1% unterstützt. In der Kosmetikindustrie kann man es sehr gut in Reinigungspräparaten wie beispielsweise in Reinigungscremes oder -lotions einsetzen. Auch findet es seinen Einsatz in Make-Up-Entferner-Ölen oder in Badeprodukten. Da das Fette Öl aber sehr niedrig viskos ist, eignet es sich auch ausgezeichnet für die Anwendung in Pflegeprodukten für das Haar oder leichten, nicht aufliegenden Cremes für fettende Haut.

Als Speiseöl eignet sich das Sonnenblumenöl in Salaten und ungekochten Gerichten. Es wird aber auch Margarine daraus hergestellt bzw. findet man es auf der „Zutatenliste“ von Babynahrung. In der Pharmazie nutzt mn das Sonnenblumenöl gern als Füllmaterial in Weichgelatinekapseln. Es kann aber auch Erdnuss- oder Olivenöl in Medizinprodukten ersetzen und findet Verwendung in Salben und Cremes. In der Industrie wird das Sonnenblumenöl für Farben und Lacke verwendet. Nicht zu vergessen ist seine Bedeutung als Biokraftstoff und Biodiesel.

Klartext: Sinnvoll oder nicht?

Das mengenmäßig viert-wichtigste Pflanzenöl hat ganz klar eine große Bedeutung in der Lebensmittelindustrie und auch in der chemischen Industrie. Sein Einsatz in Kosmetikprodukten ist eher untergeordnet. Es wirkt zwar durch seinen hohen Anteil an Vitamin E in gewisser Weise antioxidativ, jedoch wurde auch oben erwähnt, dass das Fette Öl der Sonnenblume relativ instabil ist. Und das eignet sich daher eher schlechter zum Einsatz in hochwertigen Kosmetikprodukten.

 

Quellenverzeichnis:

Ammon ,Hermann (Hrsg.), Curt Hunnius: Pharmazeutisches Wörterbuch. 9. Auflage. de Gruyter Verlag, Berlin, 2004, S. 710

Bräutigam, Brigitte: Lexikon der kosmetischen Rohstoffe. Books on Demand GmbH, Norderstedt, 2012, S. 48

Käser, Heike: Naturkosmetische Rohstoffe. Freya Verlag, Zürich, 2011, S. 124 ff