Wobei hilft Hyaluronsäure?


Die beliebteste Waffe gegen sichtbare Zeichen des Alters


Wirkstoff Hyaluronsäure: Worum geht’s?

Diese sehr bekannte „Säure“ ist essentieller Bestandteil des Bindegewebes und hat außerdem eine wichtige Funktion bei der Zellteilung. Neben der Bedeutung für eine frische, glatte Haut ist die Hyaluronsäure außerdem Haubtbestandteil der Gelenkflüssigkeit, da es als Schmiermittel bei der Gelenkbewegung dient.

Chemisch gesehen handelt es sich hierbei um ein langkettiges, linear aufgebautes Polysaccharid. Die Vorsilbe „poly“ verrät schon, dass es sich um viele gleichartige Zuckerbausteinchen handelt, die miteinander über feste Brücken verknüpft sind. So entsteht schlussendlich eine lange Kette, in der sich die einzelnen Bausteinchen in ihrer Anordnung abwechseln. Die einzelnen Bausteine heißen „D-Glucuronsäure“ und „N-Acetylglucosamin“. Eine solche Kette kann aus bis zu 100.000 eizelnen Bausteinen bestehen.

Wie wirkt Hyaluronsäure?

  1. Wasserspeichernde & druckbeständige Wirkung
    Auf Grund eben jener Wirkung ist Hyaluronsäure in der Lage, pro Gramm bis zu sechs Liter (!) Wasser zu binden. Bestes Beispiel: Der Glaskörper des menschlichen Auges: Dieser besteht aus nur 2% Hyaluronsäure, welches aber 98 % Wasser binden kann! Da Wasser auch wenig komprimierbar ist, sind wässrige Lösungen, die Hyaluronsäure enthalten, nur wenig komprimierbar. Daher sind sie sehr druckbeständig.
  2. Verantwortlich für eine frische & glatte Haut
    In den Bindegewebszellen der Unterhaut wird täglich ein immer neuer Anteil an Hyaluronsäure produziert. Daher befinden sich auch über 50 % des Hyaluronsäureanteils des Körpers in der Haut! Dieser hat eine stützende Funktion für Kollagen,  Strukturproteine und Elastinfasern. Auf Grund des hohen Wasseraufnahmevermögens, kann Hyaluronsäure von innen viel Wasser aufnehmen. Somit wird die Feuchtigkeit der Haut erhöht und außerdem wird sie von innen aufgepolstert.
    Jedoch sinkt ab Mitte 30 der Hyaluronsäure-Spiegel. Die Vorräte an Hyaluronsäure im Körper schrumpfen und natürliche Alterserscheinungen wie z.B. Falten werden sichtbar! Im höheren Alter von etwa 60 Jahren sind vom anfänglichen Anteil an Hyaluronsäure nur noch ganze 10% übrig. Mit zunehmendem Alter nimmt also der Gehalt an Hyaluronsäure ab, die Anzahl der Falten nimmt dahingegen zu. Und das ist ganz natürlich…
  3. Schmierfunktion in Gelenken
    Da die Hyaluronsäure der Hauptbestandteil der Gelenkflüssigkeit ist und in sehr hohen Mengen in Gelenkknorpeln zu finden ist, übt sie hier eine sehr wichtige Funktion aus! Die Hyaluronsäure begünstigt nämlich nicht nur die Erholung der oberflächlichen Knorpelschichten. Nein, sie wirkt sich außerdem positiv auf die Verdichtung der Knorpelzellen und den Aufbau der Knorpelzwischensubstanz aus! Auf Grund ihrer hohen Viskosität wird die Hyaluronsäure bei mechanischen Einwirkungen nicht aus der Gelenkkapsel gedrückt. Sie haftet viel mehr hervorragend am Knorpel des Gelenkes und kann so harte Stöße „abpuffern“.
  4. Versorgung von Wunden
    Hyaluronsäure kann im Körper zu kleineren Bausteinchen abgebaut werden. Dadurch kommt es zu einer signifikanten Verbesserung der Versorgungssituation im verletzten Gewebe. Nährstoffe werden viel besser in das betroffene Gewebe transportiert und über mehrere Tage hinweg können sich neue Blutgefäße zur Wundversorgung ausbilden. Eben jenes erhöhte Angebot an Nährstoffen, Sauerstoff und Immunzellen mit dem Blut fördert die Wundheilung.
  5. Pickel und Unreinheiten adé
    Menschen, die von Pickelchen geplagt sind oder unter Akne leiden, haben das Problem, dass deren Haut die Feuchtigkeit nicht richtig speichern kann. Hier kann mit Hyaluronsäure, dem Meister unter den Wasserspeichern, Abhilfe geschafft werden! Wie bereits oben erwähnt, kann die Hyaluronsäure auf Grund des enormen Wasserspeichervermögens  die Haut straffen und Unreinheiten verschwinden lassen. Außerdem sorgt sie für den Abtransport von Abfallstoffen aus dem Gewebe. Obwohl immer mehr Betroffene zu Produkten greifen, die mit Hyaluronsäure angereichert sind, ist deren Erfolg  in der Aknebehandlung noch nicht garantiert.
  6. Feuchte Schleimhäute, trockene Augen – Hyaluronsäure hilft!
    Kaum hält man sich einen Tag in trockenen Räumen auf oder leidet unter Schnupfen, stellt man fest, dass die Nasenschleimhäute staubtrocken sind. Hier schaffen Nasensprays, die Hyaluronsäure enthalten, Abhilfe!
    Auch trockene Augen, die dem Betroffenen das Gefühl vermitteln, als würden Sandkörnchen im Auge sein, können mit eben jener „Säure“ behandelt werden. Da die Hyaluronsäure sehr viskose Filme bildet, kann sie extrem lange am Auge haften ohne die Sehfähigkeit zu beeinträchtigen. Daher wird sie auch besonders gern in Reinigungs- oder Pflegelösungen für Kontaktlinsen verwendet!

Vorsicht, Nebenwirkungen!

Da Hyaluronsäure ja nicht nur in abgenutzte Kniegelenke gespritzt wird, sondern auch Anwendung in der ästhetischen Medizin findet, sei auch hier Vorsicht geboten. Eben jene Präparate finden Einsatz bei der Faltenunterspritzung, beim Modellieren von Lippen (dem so genannten „Lippenaufspritzen„), zur Auffrischung der Haut oder aber auch beim Aufbau von charakteristischen Gesichtskorrekturen. Der gewünschte Effekt bleibt über 6 – 12 Monate erhalten und es gibt für jede gewünschte Anwendung spezielle Präparate mit angepassten Gelpartikelgrößen.

Bei der Unterspritzung von Haut- oder Lippenpartien können allerdings Blutgefäße verletzt werden, sodass die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von „blauen Flecken“ gesteigert ist. Obwohl die Hyaluronsäure farblos ist, so ist sie aber chemisch gesehen trotzdem eine Säure. Und diese können zu kurzfristigen Rötungen und Schwellungen an den zu behandelnden Körperstellen führen. Werden große Mengen an Hyaluronsäure gespritzt, kann dies zu sichtbaren Knubbeln unter der Haut führen. Mit Hilfe eines speziellen Enzyms, der Hyaluronidase, können diese aber im Nu wieder verschwinden.

Klartext: Sinnvoll oder nicht?

Zur äußerlichen Anwendung ist die Hyaluronsäure durchaus mit ausschließlich positiven Eigenschaften ausgestattet. Die Anzahl der  Fältchen nimmt nur langsam zu, die  Gesichtshaut wirkt glatter und frischer, Pickelchen wird der Garaus gemacht und Kniegelenke sind wieder besser beweglich. Auch auf Schleimhäuten und am Auge sind sie ein gern gesehener Wirkstoff. Nur die innerliche Anwendung in Form des so genannten „Unterspritzens“ stellt Gefahren dar. Wenn man sich zu diesen ästhetischen Eingriffen jedoch in die Hände erfahrener Ärzte begibt, die ihre Patienten gut beraten und verantwortungsbewusst handeln, so ist das Spritzen von Hyaluronsäure wohl deutlich dem von Botox vorzuziehen. Schließlich handelt es sich bei Botox um ein Nervengift eines Bakteriums, bei der Hyaluronsäure um ein menschliches, körpereigenes Produkt. Jedoch sollte man trotz allem immer sehr vorsichtig bei ästhetischen Eingriffen sein und deren Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit hinterfragen und überprüfen!

 

Quellenverzeichnis:

Ammon ,Hermann (Hrsg.), Curt Hunnius: Pharmazeutisches Wörterbuch. 9. Auflage. de Gruyter Verlag, Berlin, 2004, S. 742

Bräutigam, Brigitte: Lexikon der kosmetischen Rohstoffe. Books on Demand GmbH, Norderstedt, 2012, S. 98

Käser, Heike: Naturkosmetische Rohstoffe. Freya Verlag, Zürich, 2011, S. 254

Mutschler, E.; Geisslinger, G.; Kroemer, H.K.: Mutschler Arzneimittelwirkungen, Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart, 2008, S. 273

Voigt, Rudolf: Pharmazeutische Technologie. Deutscher Apothekerverlag, Stuttgart, 2010, S. 518