Der Gewebekleber in der Kosmetik?

Wie wohl schon richtig von Euch vermutet, ist Allantoin kein Planet aus dem Star Wars Universum, sondern findet sich (etwas unspektakulärer) als Abbauprodukt der Harnsäure in Euren Kosmetika wieder. Allantoin kommt allerdings neben dem Harn auch im menschlichen und tierischen Blut und in vielen Pflanzen vor. Eklig muss Euch dass jetzt aber nicht vorkommen, denn Allantoin ist ein sehr vielseitiger Stoff, der mit positiven Wirkungen Anwendung findet – entzündungshemmend, feuchtigkeitsspendend, hautglättend – um nur ein paar der guten Eigenschaften zu nennen.

Wirkstoff Allantoin – Worum geht’s?

Allantoin gehört chemisch zur Gruppe der Imidazoline. Dabei enthält es als Strukturelement Harnstoff, was man sich gut merken kann, da viele der positiven Eigenschaften des Harnstoffs (in der Kosmetik unter dem Namen Urea bekannt) auch für Allantoin zutreffen. Es kommt natürlich als Abbauprodukt von Purinbasen vor. Purinbasen sind die Hauptbestandteile der DNA. Deswegen wird teilweise in der Literatur auch die Vermutung angestellt, dass viele der positiven Wirkungen des Allantoins auf dessen ähnliche Struktur mit DNA-Bestandteilen zurückzuführen ist.

Wie wirkt Allantoin?

Allantoin findet man beispielsweise in Rasierwässern, Sonnencremes, Hautcremes, Duschgels, Mundwässern und Zahnpasten.

Es ist außerdem Bestandteil vieler Deos und soll hier gegen vermehrte Schweißabsonderung helfen. Dies wird Euch aber an besonders heißen Tagen auch nicht unbedingt helfen, denn seine Wirkung ist eher gering einzuschätzen. Ein Anti-Transpirant kann Allantoin also nicht ersetzen.

Ebenso besitzt Allantoin eine feuchtigkeitsspendende Wirkung. Obwohl diese jedoch gegenüber anderen auf dem Markt vorhandenen Substanzen wie Glycerin als eher gering einzuschätzen ist,  kann Allantoin als Zusatzstoff in Cremes bei trockener Haut empfohlen werden.

Allantoin wirkt wie Urea (Harnstoff) keratolytisch. Dabei ist sogar schon in sehr viel geringeren Konzentrationen ab 0,2 % wirksam. Dabei regt es die Abschuppung an, in dem es die Bindegewebsschicht zwischen den  Hornhautzellen auflöst und weiterhin dafür sorgt, dass abgestorbene Zellen entfernt werden.

Durch diese Wirkung wird die Haut weicher, glatter und kann wieder besser atmen. Als Anwendungsgebiet ergeben sich dadurch auch Neurodermitis und Ekzeme.

Daneben regt Allantoin die Zellteilung an und wirkt somit wundheilungsfördernd und hautberuhigend. Besonders bei kleinen Verletzungen kann es wahre Wunder bewirken. Auch bei rissiger, spröder und durch schwere Arbeit geschädigte Haut (besonders betroffen sind oft die Hände) unterstützt es den Heilungsprozess und hilft das Hautbild wieder zu verbessern.

Diese Eigenschaften erklären auch seinen Einsatz in der Narbentherapie, wo es neben anderen Wirkstoffen dabei helfen soll  für eine gute Abheilung zu sorgen und die Narbe so unauffällig wie möglich erscheinen zu lassen.

Wundersalbe aus Beinwell

Die Heilpflanze Beinwell (Symphytum offinale) wird schon seit mehreren Jahrhunderten in der Volksheilkunde verwendet. Sie solle bei allen Heilungsprozessen z.B. bei Knochenbrüchen, Wunden, Gicht, Rheuma positive Effekte haben. Mit verantwortlich für diese Wirkung ist das Allantoin.

Heutzutage existiert eine Beinwellsalbe, welche auch vielfachen Einsatz in der Medizin findet. Diese sollte aber nicht zur Dauermedikation eingesetzt werden, da Beinwell geringe Mengen an Pyrrolizidinalkaloiden enthält, welche krebserzeugend und leberschädigend sind. Von einer Verwendung des Beinwells in Tees ist daher auch dringend abzuraten. Auch sollte sie aufgrund dieser Inhaltsstoffe nicht bei offenen Wunden angewendet werden.

Vorsicht, Nebenwirkungen!

Überempfindlichkeitsreaktionen sind generell möglich. Da Allantoin jedoch eher hautberuhigend wirkt und ein natürliches Produkt des Körpers ist, sind solche Reaktionen sehr selten zu beobachten.

Klartext: Sinnvoll oder nicht

Obwohl die genaue Wirkungsweise von Allantoin noch nicht bis ins Detail erforscht wurde, ist doch aus vielen Studien und praktischen Erfahrungen ersichtlich, dass diese Substanz eine Reihe positiver Eigenschaften aufweist. Da diese auch schon in sehr geringen Konzentrationen erkennbar sind, ist Allantoin als Zusatz in Kosmetika sehr zu empfehlen. Bei vielen Hautverletzungen, Hautirritationen und sogar bei Ekzemen ist ein Einsatz auf jeden Fall sinnvoll.