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Eine große Portion H&M - Bräune, bitte!

5. Juni 2012

Franziska Alscher

Pharmazeutin

Franziska ist unser pharmazeutischer Allrounder mit dem Auge für's Detail. Kein Thema bleibt ungeklärt!

H&M Bademode Bräune


„Hey, habt ihr die aktuellen H&M Plakate schon gesichtet? Wie braun sind die Models da denn bitte schön? Soll das der neue Trend sein? Hautkrebs, herzlich willkommen, sag ich dazu nur!“

H&M’s neue Devise: Weg mit dem Sonnenschutz!

Auf zahlreichen Plakaten und auch im Internet präsentieren braun gebrannte Models die neuste Beachwear Kollektion von H&M. Ich korrigiere, dunkelbraun gebrannte Mädchen. Wie viel Sonnenstunden zu einer solchen Bräune verhelfen, wirst Du Dich fragen! Und der ein oder andere wird vielleicht auch sein finanzielles monatliches Budget überschlagen und rechnen, wie viele Solarienbesuche diesen Monat möglich sind, um eben jenen Models in Sachen Bräune nachzueifern. Wenn man zum nötigen Kleingeld außerdem noch ein bisschen Zeit hat, kann man auch gleich in den Süden fliegen. Und sich in die Sonne knallen. Ganz radikal. Bikini an, Badetuch geschnappt, Sonnenbrille auf, Sonnencreme vergessen, oooops!

Rache ist süß!

Aber hey, macht doch nichts. So wirst Du ja noch schneller braun. Ich korrigiere erneut: Erst wirst Du rot, dann schält sich Deine Haut, da sie die oberen verbrannten Hautschichten abstößt und schlussendlich kommt die heiß geliebte Bräune zum Vorschein. Mit ganz viel Sonnenöl möchtest Du den Bräunungseffekt noch maximieren. Und die schädliche UV – Strahlung, die stundenlang und intensivst auf Deine ungeschützte Haut gestrahlt hat, ganz bedenkenlos mit After Sun wieder wegcremen. Denn Du bist ja noch jung! Krebs, in diesem speziellen Fall Hautkrebs, bekommen doch nur alte Menschen. Und zu denen zählst Du ja nicht. Noch nicht… Denn auch Du wirst älter und früher oder später wird sich Deine Haut für dieses naive, bedenkenlose Verhalten rächen. Ob nun in Form von tiefen Furchen oder in Form von weißem oder schwarzem Hautkrebs wird sich zeigen. Und das manchmal schneller als gedacht…

Sonne & Haut – eine verhängnisvolle Beziehung?!

Wie wir wissen, lieben die meisten Menschen die Sonne. Manche vergöttern sie regelrecht. Und wenn der Winterblues vorrüber ist und der Frühling die ersten warmen, sonnigen Tage mit sich bringt, stürzen sofort die meisten Menschen nach draußen, schwingen sich auf Räder oder gehen spazieren. Mit nur einem Ziel: endlich wieder ein paar Sonnenstrahlen einzufangen. Dass die Sonne nicht nur gut für die Psyche ist und ihr helles Licht regelrechte Glücksgefühle verursachen kann, ist selbstverständlich. Ebenso auch die tägliche notwendige Tagesdosis Sonnenlicht, die unser Körper braucht, um das lebensnotwendige Vitmain D vollständig bilden zu können. Doch wo Sonne ist, da ist auch Schatten…

Rot wie ein Krebs + Furchen und Falten

Jeder kennt die Anzeichen, die sich schnell bemerkbar machen, wenn man zu lange in der Sonne lag. Die Haut ist an den „verbrannten“ Stellen gerötet, sie spannt und brennt. Und nach ein paar Tagen kann man regelrecht ganze Hautfetzen vom Rücken abziehen.

Dass ein Sonnenbrand die schlimmste momentane Folge einer zu intensiven Sonneneinstrahlung ist, weiss jeder. Darüber deutet dieser auch auf eine nicht ausreichend geschütze Haut hin. Diese möchte sich natürlich auch wehren und reagiert mit einer Entzündung. Die Kardinalsymptome Schmerz, Rötung, Schwellung, Hitze und Funktionsverlust sind deutlich erkenn- und spürbar. Doch auch nach Abklingen der Symptome sind die akuten Folgen zwar bald vergessen, jedoch besitzt auch unsere Haut ein Gedächtnis. Und in eben jenem bleiben all die ungeschützten Sonnenstunden und die unzähligen Male der vergessenen Sonnencreme gespeichert. Auch die Bildunng von Falten wird durch das Sonnenlicht angekurbelt. Photoaging wird die lichtbedingte Faltenbildung genannt. Doch auch wenn wir und die Models der H&M Kampagne noch jung und knackig sind – die Auswirkungen zeigen sich manchmal früher, als man denkt. Und möchte.

Asiatische Frauen setzen auf weiß, Europäer auf schwarz!

So verstecken sich hinter Namen wie „Traumweiß“ oder „Dreifach Weiß“ keine Namen von Waschmittel. Nein, hierbei handelt es sich um einschlägige Produkte, die man haufenweise in den Drogerie – Regalen Pekings findet. Nämlich um Cremes. Cremes, welche die Haut bleicher machen sollen, denn wir wissen ja, dass alle asiatischen Frauen viel lieber eine hellere Haut haben möchten. Denn die ist einfach hübscher, als ihre gelbe Haut. Und für dieses Schönheitsideal geben Frauen mehrere hundert Millionen Euro jährlich aus. Nicht nur für Cremes, sondern auch für Behandlungen in Schönheitssalons. Sogar unter’s Messer legen sich reichere Chinesinnen um zwei weiteren Schönheitsidealen näher zu kommen: große Augen und eine etwas größere Nasen werden als besonders hübsch empfunden. Was in China als hünbsch empfunden wird, wird hierzulande eher belächelt. Denn hier bekommt man vor allem im Sommer schnell Worte wie „Bleichhaut“ oder „Kellerbräune“ um die Ohren, wenn man noch nicht das Resultat von 120 Sonnenstunden nachweisen kann. Doch war das schon immer so, dass man einem braunen, frischen Teint nacheiferte?

Coco Chanel als Pionierin des braunen Teints

Mit Beginn der industriellen Revolution, also etwa Mitte des 18. Jahrhunderts, war Blässe vor allem bei der Oberschicht total angesagt. Denn helle Haut war sozusagen ein eindeutiges Indiz für ein nobel geführtes Leben. Menschen mit heller Haut verbrachten ihre Freizeit nämlich vorwiegend im Haus, diejenigen mit gebräunter Haut verbrachten täglich viele Stunden auf den Feldern und Äckern – und das stand eng in Zusammenhang mit Leibeigenschaft. Da es aber nach Beginn der industriellen Revolution normal war, in engen Behausungen zu leben, in Minen und Fabriken zu arbeiten und seine Freizeit aus Angst vor Smog und Ruß drinnen zu verbringen, ebbte der Trend der weißen Haut deutlich ab. In den „goldenen Zwanzigern“ galt dann plötzlich gebräunte Haut wieder als „chic“, nachdem sich Coco Chanel nach einer mediterranen Rundreise gebräunt in der Öffentlichkeit fotografieren ließ. Man war sich schnell einig, dass die französiche Modeschöpferin damit, wenn auch ungewollt, den Grundstein für einen neuen Schönheitstrend gelegt hatte.

Schönheitsideal hin oder her

Und dieser Trend hat sich nicht nur durchgesetzt, sondern ist bis heute – fast 100 Jahre später – immer noch erhalten. Man kann fast sagen, er wird immer extremer. Und genau das bestätigt die aktuelle H&M Kampagne. Je unnatürlicher das Braun ist, umso besser. Und scheinbar wurde auch bei dieser Kampagne das Erinnerungsvermögen unserer Haut vergessen. Denn auch Models haben unglaublicherweise eine ganz normale Haut – so wie Du und ich. Und genau die wird sich in etwa 30 Jahren für den Erfolg dieser Kampagne bedanken – mit Falten, Furchen und im extremsten Fall mit Hautkrebs. Na dann: DANKE!


 

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