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Die Labello Sucht - Schluss mit der ständigen Pflege

16. April 2012

Franziska Alscher

Pharmazeutin

Franziska ist unser pharmazeutischer Allrounder mit dem Auge für's Detail. Kein Thema bleibt ungeklärt!


„Ich habe so manchmal das Gefühl, dass egal wie viel Labello ich benutze, meine Lippen einfach nicht ohne können. Nur wenn man kontinuierlich schmiert, scheinen die Lippen glücklich zu sein und zeigen sich von ihrer besten Seite, aber: Kann man denn wirklich von Lippenpflegestiften abhängig werden?“

Lippenpflegestifte so weit das Auge reicht

In Damenhandtaschen ist ER ein Muss. Selbst die Körperwärme in Männerhosentaschen scheut ER nicht. Und auch in Kinderjacken hat ER seinen Platz gefunden. Unter Teenagern gehört er in den ausgefallensten Geschmacksrichtungen zum Must  Have und selbst Heranwachsende probieren IHN gespannt aus. Was vor über 100 Jahren entwickelt wurde und sich bis heute durchgesetzt hat, kann gar nicht so verkehrt sein: Der Lippenpflegestift oder auch Labello im Volksmund genannt. Doch was steckt hinter dem Phänomen der Lippenbalsam-Abhängigkeit? Kosmetik.org hat der Bedeutung und Wirkung des Wundermittelchens für Jedermann auf den Zahn, ääh, die Lippe gefühlt…

Mit weichen Lippen kann man besser küssen!

Das ist so wohl nicht ganz falsch, jedoch wissen wir alle, dass nicht ausschließlich die Lippen für die Qualität des Kusses ausschlaggebend sind. Natürlich ist man aber in einer Partnerschaft bemüht, dass die Lippen weich und geschmeidig sind. Und so kommt es auch schon mal vor, dass der Partner von seiner Freundin heimlich den Labello benutzt und bei Gefallen daran möglicherweise auch zum Langfinger wird… Doch halt! Was steckt denn aber nun hinter dem Phänomen der Abhängigkeit? Verbindet man doch mit diesem Wort vor allem die Abhängigkeit von Alkohol, Nikotin, Cannabis oder chemischen Drogen, so gibt es aber sicher Abhängige der verschiedenen Geschmacksrichtungen „Sweet Melon“, „Lemon Twist“ oder „Pink Grapefruit“. Und wer sich hierbei ertappt fühlt, der sollte sich fragen:

Wie entsteht eine solche Abhängigkeit?

Unsere Haut bildet nicht nur eine Barriere zwischen Körperinnerem und unserer Umwelt, sie ist mit etwa 10 Kilogramm Körpergewicht auch das größte Organ des Menschen! Jedoch ist die Haut der Lippen nicht ohne Weiteres mit der Haut an unseren Armen vergleichbar. Zum Einen besteht sie nur aus etwa drei bis fünf Zellschichten und ist somit viel dünner als unsere übrige Gesichtshaut, die aus etwa 16 Zellschichten besteht. Zum Anderen sind unsere Lippen nicht behaart und verfügen außerdem nicht über Schweiß- und Talgdrüsen. Und wenn diese fehlen, dann wird auch kein schützender Film aus Schweiß und Talg gebildet. Und wenn der Körper diese geschmeidige Schicht nicht bilden kann, so helfen wir doch gerne nach, oder nicht?

„Kann ich Deinen Lippenpflegestift mal benutzen?“

Es haben sich wieder diese weißen Schüppchen gebildet.  Die Lippen fühlen sich wie Sandpapier an, wenn man sie mit der Zunge befeuchtet. Außerdem brennen sie. Doch heute weigerst Du Dich, Deinen Labello zu benutzen. Diesmal erzeugst Du mit deinem Lippenpflegestift nicht diese künstliche Membran, die die unteren Zellschichten daran hindert, sich zu erneuern.

Hinter den trockenen, spröden Lippen und dem Verlangen nach Lippenbalsam steckt nämlich Folgendes Prinzip:

Sobald die oberste Hautschicht, die hauptsächlich aus toten ausgetrockneten Zellen besteht, das Weite sucht, wird ein Signal an die unterste Zellschicht gesendet: „Regeneration kann beginnen!“. In eben jener Basalschicht beginnt nun also der Erneuerungsprozess. Es werden neue Hautzellen produziert, welche nach dem Abtragen der oberen Schichten schrittweise nach oben gelangen. Einfach ausgedrückt:  Alte Zellen sterben ab, neue Zellen folgen vom Grund der Lippe nach. Wenn Du jedoch regelmäßig und mehrmals täglich einen solchen Lippenpflegestift benutzt, schaffst du so eine künstliche Barriereschicht. Diese ermöglicht den toten Zellen nicht, sich abzutragen. Folglich wird auch kein Signal an die Basalschicht zur Erneuerung der Zellen gesendet. Vielmehr erreicht sie dieses Signal: „Hallo Basalschicht, hier oben ist alles okay. Du brauchst keine neuen Zellen produzieren, ruh‘ dich lieber noch ein bisschen aus!“.

Die Basalschicht geht also in eine Art Ruhemodus über und lehnt sich – bildlich gesehen – im Liegestuhl zurück. Wenn Du nun aber aufhörst den Labello zu benutzen, beginnt der natürliche Prozess von vorn. Die oberste Lippenschicht trocknet aus und wird spröde. Auch wird das hilfesuchende Kommando: „Regeneration der Hautzellen kann beginnen!“ an die tiefer liegenden Zellschichten gesendet, jedoch liegen eben jene ja entspannt im Liegestuhl. Und eh die Basalmembran daraus aufgestanden ist, dauert es. Noch bevor die Basalmembran mit der Produktion neuer, frischer Zellen begonnen hat, die wohl etwa in einer Woche das Licht der Welt erblicken würden, greifst Du dann doch lieber zum Lippenpflegestift. Denn wer erträgt schon eine Woche lang das Gefühl von Sandpapier auf den Lippen? Das hält doch keiner aus!

Der Kampf gegen die Abhängigkeit

Doch was ist die Alternative zu Lippenpflegestiften? Wie kann ich die Abhängigkeit vermeiden? Und was kann ich tun, damit ich immer noch schöne, rote Lippen habe?

Alternative 1: Honig

Wer auf Naturprodukte ohne chemische Zusätze steht, kann gern Honig auf die Lippen auftragen. Honig enthält neben Vitaminen, Mineral- und Eiweißstoffen auch Feuchthaltestoffe. Diese gelangen in die oberste Hautschicht und regenerieren diese. Außerdem wirkt Honig entzündungshemmend, was bei aufgeplatzten Lippen deutlich von Vorteil ist, da den Bakterien das Eindringen in die Wunde erschwert wird. Doch Naschkatzen aufgepasst: Honig auf den Lippen neigt zum Abschlecken. Daher vorzugsweise vor dem Schlafen gehen auftragen, dadurch wird die heilende Zeit auf den Lippen deutlich verlängert!

Alternative 2: Dexpanthenol

Außerdem empfehlenswert sind Lippencremes, die den Inhaltsstoff Dexpanthenol enthalten. Dexpanthenol wird im Körper zu Panthotensäure umgewandelt, welches eine bedeutende Rolle im Hautstoffwechsel spielt. Ausserdem handelt es sich bei einer Lippencreme um eine Emulsion. Diese besteht sowohl aus wässrigen, befeuchtenden Komponenten als auch aus öligen, pflegenden Bestandteilen. Viele Lippenpflegestifte enthalten als Grundlage jedoch nur ölige Komponenten wie synthetische Öle oder Vaseline. Diese legen sich wie ein fettender Schutzfilm auf die Haut, trocknen diese jedoch auf Dauer noch mehr aus. Und das führt genau zu jenen trockenen, spröden Lippen, die wir gerade nicht haben wollen!

Das Fazit der Redaktion

Um dieser ernüchternden Erkenntnis aus dem Weg zu gehen empfehlen wir: Lass die Finger von Fettstiften, die deine Lippen zusätzlich austrocknen. Greife statt dessen eher zu Lippencremes, die pflegen nicht nur deine Lippen, sondern versorgen sie außerdem mit ausreichend Feuchtigkeit! Und das Signal von oben: „Regeneration kann beginnen“, gelangt außerdem noch ungehindert zu unserer Basalmembran. Lippen gut, alles gut.


 

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