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Bei meinem Kind hat sich die Grindflechte im Gesicht ausgebreitet. Wir waren auch schon beim Arzt und haben mit der Therapie angefangen. Allerdings würde ich gerne mal einen Überblick über diese Ha [...] mehr lesen »

Gürtelrose – Die Krankheit mit dem schlummernden Erreger

9. Juni 2012

Kristina Koniker

Pharmazeutin

Pharmazeutin? Ja, aber mit dem Blick für's Wesentliche und ohne großes kosmetisches Fachgesimpel. Sie behält den Überblick auf Kosmetik.org!

Gürtelrose, was tun?


„Hallo Kosmetik.org, ich habe gehört, dass der Erreger für Herpes der Gleiche wie für die Gürtelrose ist, aber so ganz verstehe ich das nicht. Muss ich Angst haben nach einem Herpes eine Gürtelrose zu bekommen?“

Der Feind wartet auf den richtigen Moment

Wie um alles in der Welt kommt eine Virusinfektion bloß zu dem Namen Gürtelrose? Diese Frage ist leicht beantwortet. Das typischste Symptom der Krankheit ist ein Hautausschlag, der sich in der Regel von der Wirbelsäule aus wie ein Gürtel um den Körper herum ausbreitet. „In der Regel“ heißt natürlich, dass es auch Ausnahmen gibt. Manchmal tritt die Gürtelrose beispielsweise auch nur an einem Arm in Erscheinung.

Und die Herpesinfektion bringt noch mehr Merkwürdigkeiten mit sich: Der Ausbruch der Gürtelrose geht nämlich ursprünglich auf eine Infektion mit Windpocken zurück, die weit in der Vergangenheit liegen kann. Denn die Windpocken sind ja bekanntermaßen eine Kinderkrankheit. Das gleiche Herpesvirus, welches bei Dir jetzt eine Gürtelrose auslösen kann, war also auch der Erreger Deiner Windpocken in der Kindheit. Das heißt aber im Endeffekt, dass es unterschiedliche Herpes-Viren gibt! Die Herpes-Viren für den Herpes auf den Lippen heißen Herpes simplex und die Herpes-Viren, die für die Gürtelrose verantwortlich sind, heißen Herpes zoster!

Über all‘ die Jahre haben die  kleinen Biester in Deinen Nervenzellen überdauert und plagen Dich nun nach so langer Zeit erneut. Bei der Gürtelrose handelt es sich also um eine sogenannte Zweitinfektion. Aber wie kann das passieren? Das in Dir schlummernde Virus hat seine Chance erkannt, als Dein Immunsystem durch irgendwelche Umstände geschwächt war und hat prompt wieder zugeschlagen.

Bloß keine Schwäche zeigen!

Die Voraussetzung ist die Erstinfektion mit Windpocken. Diese Krankheit hast Du bekommen, als Du zum ersten Mal mit dem so genannten Herpes zoster Bekanntschaft gemacht hast. Das Herpesvirus bleibt Dir über Deine Genesung hinaus erhalten und lauert in Deinem Körper geduldig auf seine zweite Chance. Es wandert an bestimmten Nervenknoten in der Wirbelsäule, den Spinalganglien, entlang bis zum Gehirn. Du bemerkst davon so lange nichts, wie Deine Abwehrkräfte intakt sind und bestens funktionieren. Wenn aber beispielsweise Stress oder seelische Probleme Dein Immunsystem belasten, ist die Stunde von Herpes zoster gekommen. Auch bestimmte Medikamente können den Ausbruch der Gürtelrose begünstigen, weil sie auf die Immunabwehr wirken. Wenn Du Dich ein zweites Mal mit dem Windpockenerreger infizierst, werden die in Dir schlummernden Herpesviren ebenfalls reaktiviert. Außerdem gibt es genetische Veranlagungen, die eine Gürtelrose beim einen Menschen wahrscheinlicher machen als beim anderen.

Der Hautausschlag besucht einen erst zum Schluss

Zuerst fühlt man sich einfach krank und elend, ähnlich wie bei einer Grippe. Man ist müde und schlapp, bekommt vielleicht Fieber. Nach ein paar Tagen verursacht der Herpesvirus heftige Schmerzen. Das liegt daran, dass die Viren sich in den Nerven befinden. Die Körperregionen, welche vom infizierten Nerv versorgt werden, sind dann auch vom Schmerz betroffen. Der typische Hautausschlag der Gürtelrose kommt als letztes Symptom dazu. Eine rötliche Schwellung der Haut macht den Anfang, dann bilden sich kleine Knötchen, die sich später in Bläschen umwandeln, welche bis zur stattlichen Größe einer Erbse anwachsen können. Sie sind mit wässriger bis blutiger Flüssigkeit gefüllt. In seltenen Fällen bleiben die Hauterscheinungen aber auch ganz aus. Wenn die Herpeserreger bereits bis in die Hirnganglien vorgedrungen sind, bildet sich die sogenannte Gesichtsrose. Das ist eine Gürtelrose, die im Gesicht auftritt, weil die betroffenen Nerven die Gesichtsregion versorgen. Auch am Hals oder an den Genitalien kann sich die Herpes zoster Infektion zeigen.

Ab zum Arzt und dann ist erst einmal Ruhe angesagt

Durch die typischen Symptome und die Forschung nach Windpocken in der Krankheitsgeschichte des Patienten hat der Arzt die Gürtelrose meist schnell identifiziert. Bei unklaren Beschwerden und eventuellen Erinnerungslücken hilft eine Blutuntersuchung weiter. Ist der Übeltäter schließlich überführt, verordnet der Arzt zunächst Medikamente gegen die Schmerzen und die Hautsymptome. Je schneller Du diese Medikamente bekommst, desto besser helfen sie Dir. Zögere also nicht, wenn Du Beschwerden bekommst, die auf eine Gürtelrose hindeuten, und wende Dich schnellstmöglich an Deinen Hausarzt. Während der Therapie solltest Du Dir unbedingt Ruhe gönnen und Deinem Körper Zeit geben, sich auszukurieren. Eine Virusinfektion ist schließlich keine Kleinigkeit. Deine gestresste Haut kannst Du mit speziellen Produkten aus der Apotheke in ihrer Heilung unterstützen. Es wird Dir bestimmt gut tun, wenn Du das Gefühl hast, auch selbst etwas gegen die Krankheit in der Hand zu haben.

Impfen – ja oder nein?

Sowohl gegen die Windpocken als auch gegen die Gürtelrose kann man sich impfen lassen. Der Impfstoff gegen die Zweitinfektion ist sehr viel konzentrierter als bei der Windpockenimpfung. Da eine Impfung auch immer gewisse Risiken mit sich bringt, solltest Du Dir gut überlegen, ob Du einem erhöhten Risiko ausgesetzt bist. Sprich‘ am besten mit Deinem Arzt darüber, wenn die Gürtelrose in Deiner Familie liegt, wird er Dir eventuell dazu raten. Im Vergleich zu anderen ist die Impfung gegen Windpocken, beziehungsweise Gürtelrose, im Allgemeinen sehr gut verträglich. Mit dem Alter wächst das Risiko einer Zweitinfektion mit Herpes zoster, selbst wenn man sich erst mit sechzig Jahren impfen lässt, sinkt die Infektionswahrscheinlichkeit noch um mehr als fünfzig Prozent. Eine dennoch ausbrechende Krankheit verläuft wesentlich glimpflicher.


 

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