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Was tun gegen übermäßiges Schwitzen?

30. Januar 2014

Sabine Genau

Kosmetikerin

Ihr habt Fragen rund um die Kosmetik? Dann fragt Sabine um Rat! In null Komma nichts liefert sie Euch die Antwort ohne großes Fachchinesisch. Man soll es ja schließlich verstehen und nicht möglichst hochgestochen klingen!Google Profil

Was hilft gegen Schwitzen?


Hallo, Ihr Lieben! Ich habe da ein heikles Problem, beziehungsweise mein Freund hat es. Er schwitzt nämlich sehr stark, da versagt jedes Deo. Er ist eigentlich ein sehr reinlicher Mensch, trotzdem riecht er des Öfteren unangenehmen nach Schweiß. Das ist natürlich nicht nur für mich ziemlich unangenehmen, auch ihm ist das echt peinlich. Er hat schon viele verschiedene Produkte ausprobiert, leider nur mit mäßigem Erfolg. Deshalb zum Arzt zu gehen, hält er aber trotzdem für übertrieben, ich kann ihn einfach nicht dazu überreden. So wende ich mich heute also mit unserem Problem an Euch, in der Hoffnung, dass Ihr einen guten Tipp für uns parat habt. Dafür danke ich Euch schon jetzt.

Das übermäßige Schwitzen nennt man mit dem Fachausdruck Hyperhidrose. Mit Deiner Idee, einen Arzt aufzusuchen, lagst Du da vollkommen richtig. Denn hinter einer Hyperhidrose kann unter Umständen auch eine ernsthafte Erkrankung stecken. Allein um das ausschließen zu können, sollte Dein Freund seinen Hausarzt konsultieren. Der kennt nämlich auch viele verschiedene Methoden, die bei übermäßigem Schwitzen helfen können. Die geeignete Therapie hängt dabei vor allem von den Körperstellen ab, an denen sich die stärksten Schweißausbrüche zeigen.

Das kann man tun

Die erste Methode der Wahl gegen übermäßiges Schwitzen unter den Achseln sind sogenannte Antiperspirantien. Wie normale Deos auch enthalten diese speziellen Salben Aluminium. Dadurch werden die Schweißdrüsen verstopft und ihre Produktion wird gedrosselt. In den Antiperspirantien ist eine besonders hohe Konzentration an Aluminiumsalzen enthalten, deshalb eignen sie sich ausschließlich für den Einsatz bei Hyperhidrose. In den allermeisten Fällen hilft das hoch konzentrierte Aluminium gegen das übermäßige Schwitzen. Die größten Vorteile der Antiperspirantien sind, dass sie überhaupt nicht viel kosten und dass sie individuell dosierbar sind. Wer besonders viel schwitzt, muss die Salbe einfach öfter auftragen als ein anderer Patient, bei dem die Hyperhidrose nicht ganz so stark ausgeprägt ist.

Helfen die Antiperspirantien jedoch nicht, kann man es mit Strom probieren. Aber keine Angst, Deinem Freund werden dabei keine Stromschläge versetzt. Bei der sogenannten Iontophorese muss er seine Hände oder seine Füße in zwei Wannen stellen, die mit Wasser gefüllt sind. Im Wasser fließt ein ganz leichter Strom, der sich höchstens ein bisschen unangenehm anfühlen kann, aber sonst nicht weiter schlimm ist. Durch diesen Stromfluss im Wasser werden die Schweißdrüsen irritiert und ihre Produktion geht nach und nach zurück. Für einen nennenswerten Rückgang der Schweißproduktion sind allerdings fünf bis zehn Behandlungen notwendig. Auch diese Methode hilft sehr vielen Hyperhidrose Patienten, sie kommt aber an ihre Grenzen, wenn Menschen extrem stark schwitzen.

Wenn die Stromtherapie auch nicht hilft, kann der Arzt es noch mit Botulinumtoxin probieren. Das kennst Du sicher als Spritzen gegen Falten. Diese Behandlung ist die teuerste und schmerzhafteste von allen. Denn es sind ungefähr 50 Spritzen in die Achselhöhlen nötig, bevor sich ein Erfolg zeigt. Und schon nach sechs Monaten lässt die Wirkung nach und die Prozedur muss wiederholt werden. Noch unangenehmer wird´s beispielsweise an den Händen. Dort können die Spritzen nur unter örtlicher Betäubung gesetzt werden. Auch Botox ist ein sehr effektives Mittel gegen Hyperhidrose, es gibt allerdings Patienten, bei denen alle konservativen Therapien wirkungslos bleiben.

Letzter Ausweg: Die OP

Wenn alle anderen Methoden nicht geholfen haben, bleibt am Ende nur noch die OP. Wer besonders unter den Achseln allzu stark schwitzt, ist dabei im Vorteil. Denn hier gibt es eine allgemein anerkannte Operationstechnik, die gute Erfolge erzielt und nur wenige potenzielle Risiken in sich birgt. Der Chirurg macht in der Achselhöhle einen Schnitt und saugt die Schweißdrüsen ab, beziehungsweise schabt sie aus. Allerdings kann es zu einem Nachwachsen der Drüsen kommen, in diesem Fall muss die Operation nochmals wiederholt werden. Diese Methode nennt man Saugkürettage.

Bei übermäßigem Schwitzen an den Händen kommt allenfalls die Sympathektomie zum Einsatz. Diese Methode ist im Gegensatz zur Saugkürettage aber ziemlich umstritten und kann erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringen. Denn dabei durchtrennt der Operateur einzelne Nervenfasern, die für die Schweißproduktion verantwortlich sind. Nach erfolgreicher Operation kann es passieren, dass der Körper alternativ an anderen Stellen eine vermehrte Schweißproduktion in Gang setzt. Dennoch wird diese Technik bei manchen Patienten angewandt, der Arzt trifft hier je nach Ausprägung der Hyperhidrose immer eine Einzelentscheidung.

Alles in allem siehst Du also, dass Dein Freund um einen Arztbesuch wohl nicht herumkommen wird. Es muss ja nicht gleich die OP sein, es gibt genügend andere, sehr wirkungsvolle Methoden. Wenn Du ihm das erzählst, wird er sich ganz bestimmt  nicht mehr sträuben.

Fazit der Redaktion

Hyperhidrose ist ein Krankheitsbild, das als gut behandelbar gilt. Aber zum Arzt muss man eben schon gehen. Denn bei manchen Patienten stecken auch Hormonstörungen dahinter, im schlimmsten Fall sogar eine Tumorerkrankung. Natürlich muss man den Teufel nicht gleich an die Wand malen, aber es ist doch besser, wenn man weiß, dass bei einem selbst das übermäßige Schwitzen nur auf harmlose Ursachen zurück zu führen ist. Und dann kann man ja auch mit der hilfreichen Therapie beginnen. Laut einschlägigen Studien helfen bereits die Antiperspirantien bei 95 Prozent der Betroffenen. Es gibt also wirklich überhaupt keinen Grund, auf die segensreiche Behandlung zu verzichten.


 

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