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Fischpediküre für zarte Füße

31. August 2013

Sabine Genau

Kosmetikerin

Ihr habt Fragen rund um die Kosmetik? Dann fragt Sabine um Rat! In null Komma nichts liefert sie Euch die Antwort ohne großes Fachchinesisch. Man soll es ja schließlich verstehen und nicht möglichst hochgestochen klingen!Google Profil


 

Liebe Leute, ich wende mich heute mit einer eher ungewöhnlichen Frage an Euch. Jedenfalls wusste ich bisher nicht mal, dass es so was überhaupt gibt. Die Rede ist von der sogenannten Fischpediküre. Die wird jetzt in meinem Kosmetikstudio angeboten, wo ich immer zur Fußpflege hingehe. Ich weiß aber nicht, ob ich das wirklich ausprobieren soll. Denn es sind tatsächlich Fische, die da an den Füßen rumknabbern. Das soll den gleichen Effekt haben wie ein gründliches Peeling. Irgendwie finde ich das aber ein bisschen eklig. So Fische an den Füßen knabbern lassen, die vorher bei jemand anderem rumgefressen haben. Was meint Ihr dazu? Kann so etwas hygienisch sein?

Die Fischpediküre ist ein Wellness-Trend, der sich in Deutschland erst langsam ausbreitet. Auf Mallorca ist´s hingegen bereits ein Renner. Die putzigen kleinen Fischchen knabbern dabei in der Tat an den menschlichen Füßen herum und entfernen dabei abgestorbene Hautschüppchen. Das gleiche Ziel hat ja auch ein Peeling. Nach dem großen Knabbern hinterlassen die Fische Deine Füße in einem sauberen und geschmeidig weichen Zustand.

Putzerfische an den Füßen

Du kennst vielleicht aus Tierfilmen die kleinen Putzerfische, die größere Artgenossen von Parasiten befreien. Damit kann die Fischpediküre verglichen werden. Die Körperpflege, in deren Genuss sonst nur größere Fischarten kommen, kann man sich jetzt auch im Kosmetikstudio angedeihen lassen. Die Fische, welche dabei zum Einsatz kommen, sind ungefähr fünf Zentimeter groß. Es handelt sich um sogenannte Kangalfische, auch rote Saugbarbe genannt. Und fleißige kleine Sauger sind es tatsächlich. Sie wimmeln bei der Fischpediküre um Deine Beine herum und fressen alles ab, was dort nicht mehr benötigt wird. Deine abgestorbenen Hautschüppchen schmecken ihnen ganz vortrefflich, die darin enthaltenen Proteine sind eine wertvolle Nahrungsquelle für die Tierchen. So nützt die Pediküre beiden Seiten. Du gehst ohne unansehnliche Hornhaut aus der Anwendung hervor und die fleißigen, kleinen Knabberer haben sich so richtig den Bauch vollgeschlagen.

Und die Hygiene?

Du hast natürlich recht mit Deinem Einwand die Hygiene betreffend. Denn bevor Du Deine Füße in das Kangalbecken tauchst, hat dort vorher ein anderer Mensch seine Gliedmaßen herausgezogen. Achte also darauf, dass in Deinem Kosmetikstudio das Wasser nach jeder Behandlung ausgetauscht wird. Das wird nämlich durchaus nicht überall so praktiziert. Dann kann es zu Infektionen kommen, wenn die Putzerfische an Deinem Vorgänger so stark geknabbert haben, dass es ein bisschen geblutet hat. Es kann so wenig Blut sein, dass Du es im Wasser gar nicht sehen kannst, ansteckend ist das trotzdem, wenn der vorher bearbeitete Fuß mit irgendetwas infiziert war. Das muss derjenige ja nicht einmal gewusst haben. Also Vorsicht. Wenn die Hygienemaßnahmen aber stimmen, kannst Du Dich ruhig in die Hände der fischigen Fußkosmetiker begeben. Es kitzelt ein wenig, aber dafür hast Du hinterher wunderbar weiche Füße.

Woher kommt der Trend?

In der Türkei und im Mittleren Osten, wo die Kangalfische auch beheimatet sind, wird die Fischpediküre schon seit langem praktiziert. Die Menschen stecken ihre Füße dort in den natürlichen Lebensraum der Fische. Das sind sehr warme Thermalbäche, denen es an Proteinen mangelt. Das ist auch der Grund, warum die Fische sich auf jeden menschlichen Fuß, der ihnen unterkommt, als willkommene Nahrungsquelle stürzen. Die Menschen haben schnell gemerkt, wie wohl ihnen diese Behandlung tut und begannen die Fischpediküre regelmäßig in Anspruch zu nehmen. Heutzutage werden die Fische auch bei uns gezüchtet und man muss keinen Wellnessurlaub in der Türkei mehr buchen, um in den Genuss der tierischen Fußpflege zu kommen.

Dr. Fisch

Sogar bei Hautkrankheiten, wie beispielsweise Neurodermitis, Schuppenflechte oder Fußpilz, können die kleinen Doktorfische eingesetzt werden. Denn sie fressen nicht nur menschliche Hornhaut für ihr Leben gern, sie empfinden auch kranke Hautstellen als Delikatesse. Bei allen Hautproblemen, die es richtig doll schuppen lassen, können die Kangalfische als kleine Krankenschwestern eingesetzt werden. Sie fressen die Hautschuppen nicht nur an den Füßen, sondern am ganzen Körper ab. Betroffene Patienten legen sich also auch schon mal in die Kangalbadewanne. Bei ihrem fürstlichen Mahl sondern die Fischchen ein Sekret ab, das direkt in die oberste Schicht der Menschenhaut wandert. Diese Substanz hat eine heilende Wirkung und kann viele menschliche Hauterkrankungen lindern. Deshalb nennt man das Ganze dann nicht mehr Fischpediküre, sondern Knabberfischtherapie. Zu diesem Zweck wurden die Kangalfische in Deutschland zunächst auch ausschließlich eingesetzt, die Kosmetikbranche hat deren fußpflegende Wirkung erst neuerdings entdeckt. Falls Du medizinische Hautprobleme hast und die Fische therapeutisch an Dir knabbern lassen möchtest, frage am besten Deinen Hautarzt um Rat.

Fazit der Redaktion

Sich von wuselnden Fischen die Füße pediküren zu lassen, hat zunächst mal etwas Befremdliches. Der Effekt spricht jedoch einfach für sich. Die angenehm zarte Haut, welche die kleinen Putzerfischchen an Deinen Füßen hinterlassen, wird Dich bestimmt überzeugen. Also probier die Fischpediküre doch ruhig mal aus. Mehr als ein zärtliches Kitzeln wird Dir dabei schon nicht passieren. Zumindest, wenn auf die Hygiene geachtet wird. Über die Reinlichkeitspraxis in Deinem Kosmetikinstitut solltest Du Dich schon informieren, bevor Du Deine Füße ins Kangalbecken streckst. Wird das Wasser nach jeder Anwendung ausgetauscht, kannst Du Dich ganz der Knabberei hingeben.

 

 


 

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